» Steinbrechgewächse

Johannisbeere, Ribisel

Ribes rubrum Mert. et Koch (Ribes = arab. ribar, eine uns unbekannte Heilpflanze, lat. rubrum = rot)
oder auch
Ribes sylvestre (lat. sylvestre = im Walde wachsend)
Familie Grossulariaceae (Stachelbeergewächse)
früher zur Familie Saxifragáceae (Steinbrechgewächse) gerechnet

Die Johannisbeere, in Österreich Ribisel genannt, hat ihren Namen vom Johannistag, dem 24. Juni, weil sie um diese Zeit reif wird. Obwohl Johannisbeerarten in Mittel- und Osteuropa heimisch waren, wurden sie in der Antike und im Mittelalter nicht kultiviert. Erst etwa seit dem 16. Jhdt. pflanzte man sie in Europa an.

Die Johannisbeere hat die Eigenheit aus den Gärten zu flüchten und leicht zu verwildern. Es ist am einzelnen Exemplar, das man verwildert antrifft, schwer zu entscheiden, ob es sich dabei um eine schon früher heimisch gewesene Art handelt, oder um eine durch die Gartenkultur eingeführte.

Johannisbeeren wachsen als 1 bis 2 m hoher Strauch mit 3 bis 5 fach gelappten Blättern und gelblich grünen Blüten. An den Boden stellen sie keine besonderen Ansprüche und sind nicht frostempfindlich.

Die kleinen fünfzipfeligen Blüten erscheinen Anfang Mai in aufrechtstehenden Trauben, die sich beim Fruchten nach unten neigen.

Die Blüten haben die Eigenheit, dass sie weibliche Blüten mit verkümmerten Staubblättern und männliche Blüten mit verkümmerten Fruchtknoten besitzen, die alle auf einem Strauch blühen. Man nennt das unvollkommene Einhäusigkeit.

Die Früchte sind Beeren, die an dünnen Stängelchen in einer Traube hängen und kleine essbare Samenkörner enthalten.

Die Beeren haben einen mild-herben, angenehm säuerlichen Geschmack und lassen sich zu Sirup, Marmelade, Gelee (für das allerdings die Samenkörner entfernt werden müssen, was mühsam ist) verarbeiten. Diese Produkte haben eine hohe Haltbarkeit.

Die Beeren sind reich an Ballaststoffen, Vitaminen (A und C) und Spurenelementen. (33 mg Kalzium auf 100 g Ribisel, Eisen und Natrium)

Weiters verwendet man Johannisbeeren gerne als Kuchenbelag, Sorbets, in Kristallzucker getaucht als schmackhafte Dekoration, oder für Fruchtsalate.

Die Weiße oder Gelbe Ribisel ist botanisch keine eigene Art, sondern eine Zuchtform der Roten Johannisbeere. Der Geschmack ihrer Beeren ist milder als der der roten Sorten.


Schwarze Johannisbeere

Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum), auch Cassisbeere genannt, war im europäisch-asiatischen Raum beheimatet, wurde aber dennoch erst seit dem Beginn des 16. Jhdt. in Europa kultiviert. Der Geruch der Schwarzen Johannisbeere ist für menschliche Nasen eher unangenehm, obwohl z.B. ihre Blüten für die Parfumherstellung verwendet werden. Der typische Geruch verliert sich aber beim Erhitzen.

Die Beeren der Schwarzen Johannisbeere werden wegen ihres säuerliche bitteren Geschmacks selten roh verzehrt, jedoch ergeben sie verarbeitet köstliche Säfte, Marmeladen und Gelees.

Bekannt ist auch der in Frankreich sehr beliebte Crème de Cassis. Die Beeren haben einen hohen Vitamin C und Vitamin A Gehalt. In der Volksmedizin schätzt man sie als Heilmittel gegen Keuchhusten, Gicht, Erkältungskrankheiten, Durchfall, Magenschmerzen, Fieber, Migräne und vieles andere mehr.

Einige Arten der Johannisbeere werden als Zierpflanzen für Gärten und Parks kultiviert, wie z.B. die Blut-Johannisbeere mit blutroten Blüten und blaubereiften Beeren, die aus Nordamerika stammt.


Wilde Stachelbeere

Ribes úva-crispa (L.)
(arabisch Ribes = eine uns unbekannte Heilpflanze, lat. úva = Traube, Beere, lat. crispa = rau)
Familie Grossulariaceae (Stachelbeergewächse)
Früher wurden sie zur Familie Saxifragácae (Steinbrechgewächse) gerechnet

Die Stachelbeeren sind wild wachsend in lichten Laubwäldern, Hecken und Gebüschen, in blockreichen Hangwäldern in ganz Eurasien verbreitet, wenn ihre Ansprüche an Licht und Wärme erfüllt sind.

Die Kultivierung der Stachelbeere erfolgte in Europa durch heilkundige Mönche im 16. Jhdt. Seither ist es gelungen, 500 verschiedene Sorten von Stachelbeeren zu züchten, die alle die Eigenschaft haben, leicht zu verwildern. Ob es sich bei einem Exemplar in der freien Natur um eine echte wilde Stachelbeere handelt oder um eine verwilderte Kultursorte, ist nicht leicht zu entscheiden. Spezialisten orientieren sich an den Blättern, die bei verwilderten Kulturformen kahl sind.

Die drei- bis fünflappigen gestielten Blätter sitzen an Kurztrieben. Oft spitzen sie schon im Februar hervor. Unterhalb der Kurztriebe sind drei- bis fünfteilige spitze Stacheln. Die kleinen glockenförmigen Blütchen erscheinen an kurzen Stielchen hängend im April. Die Blumenblätter sind klein, von weißlicher oder rötlicher Farbe. Die Beeren, die schon im Frühsommer reifen, werden haselnussgroß, bei Kultursorten auch größer und sind mit drüsigen Borsten besetzt.

Die wohlschmeckenden Beeren haben einen hohen Zuckergehalt (8 %) und sind reich an organischen Säuren und Vitaminen. Sie werden, da sie nicht lange haltbar sind, zu Marmeladen, Gelees und Kompotten verarbeitet.

In der Heilkunde wird die Stachelbeere wegen ihrer blut­reinigenden, harn­treiben­den und abführenden Wirkung geschätzt.

Unreife Stachelbeeren dürfen aber niemals roh verzehrt werden, denn dann rufen sie Vergiftungen hervor.

Der Stachelbeerstrauch ist der Zwischenwirt für den Weymouth­kiefern – Blasenrost und ist daher bei den Forstwirten nicht beliebt, was häufig zu seiner Eliminierung führte.