» Schmetterlingsblütler

Erbsenstrauch, Großer Erbsenstrauch

Caragána arboréscens (caragána = schwarzes Ohr, nach einer Fuchsart, die in der Mongolei wohnt, arboréscens = lat. baumartig)
Familie Papilionaceae (Schmetterlingsblütler)

Dieser goldgelb blühende aufrechte Strauch oder kleiner Baum ist so attraktiv, dass er gerne in Parks oder Gärten gepflanzt wird. Seine Blätter sind paarig gefiedert. Die großen Blüten, die im Mai erscheinen, stehen in 5 cm langen Trauben zusammen. Früher wurden sie im süßen Backteig herausgebacken gegessen. Die Früchte hängen als stielrunde Hülsen von den Zweigen, die bei Berührung mit einem Knacken aufspringen und die Samen, die wie Erbsen aussehen, fortschleudern. Die Samen enthalten ein nicht näher bestimmtes Gift.

Der Erbsenstrauch ist ein sogenanntes Pioniergehölz. Er vermag es, nährstoffarme Böden, auf denen andere Bäume noch nicht gedeihen können, zu besiedeln. Dabei helfen ihm Knöllchenbakterien, die sich an seinen Wurzeln befinden und Stickstoff aus der Luft binden können. Der Erbsenstrauch ist schnellwüchsig und braucht viel Licht. Rücken andere Baumarten nach und gerät er so unter ein dichtes Blätterdach, beginnt er zu verkümmern und stirbt schließlich ab. So erreicht er meist kein hohes Alter.

Der Erbsenstrauch stammt aus dem asiatischen Raum (Sibirien, Mongolei). Kommt er bei uns „natürlich“ vor, so ist er ein Relikt aus der Eiszeit. Nach dem Ende des Erdalters Mesozoikum vor 65 Mio. Jahren – die Saurier waren soeben ausgestorben – begannen sich die Laubhölzer zu entwickeln. Etwa 200 Arten von Laubbäumen bedeckten die vorhandenen Landmassen gleichmäßiger als heute. Vor 2 Mio. Jahren begannen die Eiszeiten: Günz, Mindel, Riß und Würm, die von den Zwischeneiszeiten mit milderem Klima – ähnlich wie das heutige Klima - unterbrochen wurde. So dauerte die Zwischeneiszeit zwischen Günz und Mindel 60.000 Jahre.

Vor den Eiszeiten gediehen in Europa, wie Fossilien beweisen, Sumpfzypressen, Magnolien, Küsten-Sequoie, Amberbaum, Ginkgo, u.ä.m. Als sich während der Eiszeit riesige Gletscher auf den Kontinenten der Nordhalbkugel ausdehnten, wichen die Laubbäume nach Süden aus. Dies gelang aber nur, wenn entsprechende Landmassen vorhanden waren und ihnen nicht Gebirgszüge, die von Osten nach Westen verliefen und mit Eis bedeckt waren, oder Ozeane etc. den Weg versperrten. So kam es, dass in Europa, wo die Alpen den Rückzugsweg nach Süden blockierten, viele Arten ausstarben, während in Nordamerika und China, wo die Gebirgszüge von Norden nach Süden verliefen und genug Landmasse vorhanden war, viel mehr Baumarten überleben konnten. Manche Pflanzenarten fanden aber auch in Europa „Nischen“ zum Überleben, die oft ganz kleinflächig sein konnten. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Wulfenia, eine Blume, die in Mitteleuropa nur in Kärnten auf dem Nassfeld gedeiht. Man nennt solche Pflanzen Relikte aus der Eiszeit. So hat auch der Erbsenstrauch in Europa in manchen „Nischen“ Platz zum Überleben gefunden.


Robinie (Falsche Akazie)

Robinia pseudoacacia L. (griech. pseudo = unecht, falsch,
acacia = Name des ägypt. Schotendorns)
Familie Fabaceae (Hülsenfrüchte) Schmetterlingsblütler

Die Robinien sind in den Laubwäldern Nordamerikas und Mexikos zu Hause und es gibt von ihnen ca. 20 verschiedene Arten. Wegen ihrer guten Eigenschaften wurde die „gewöhnliche“ Robinie (R. pseudoacacia) vom französischen Botaniker Jean Robin und von seinem Sohn Vespasien Robin schon im Jahre 1601 nach Europa eingeführt und ist hier mittlerweile so weit verbreitet, dass sie als Neophyt gilt.

Die Robinie ist ein bis zu 25 m hoher Baum mit sperriger lockerer Krone und sehr tiefrissiger hellgraubrauner Stammrinde. Ihre unpaarig gefiederten hellgrünen Blätter (9 bis 21 cm) treiben erst Ende Mai aus. Auffallend sind ihre weißen, stark nach Honig duftenden 15 bis 25 cm langen hängenden Blütentrauben. Sie werden gerne von Bienen besucht und sind in Teig heraus gebacken eine Delikatesse für Feinschmecker. (Siehe untenstehendes Rezept) Die schwarzen nierenförmigen Samen befinden sich in Hülsen, die erst im Winter aufspringen. Ein oberflächlicher Beobachter könnte den Samenstand für vertrocknete Erbsenschoten halten. Die Robinie ist sehr wehrhaft. Ihre Nebenblätter sind zu bis zu 3 cm langen Dornen umgebildet.

Nun zu den guten Eigenschaften der Robinie:

Da sie zu den Schmetterlingsblütengewächsen gehört, besitzt sie in den Wurzelknöllchen Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden können. Sie kann daher was den Boden betrifft anspruchslos sein. Außerdem treibt sie starke Wurzelbrut und wächst rasch. Das macht sie zum Pionierbaum, der zur Wiederaufforstung und Sanierung eingesetzt werden kann. Ihr Holz ist witterungsbeständig und sehr hart. Es eignet sich daher vorzüglich für Bauten im Außenbereich wie Geländer, Gartenmöbel, im Schiffsbau und wird aufgrund des aktuell wachsenden Umweltbewusstseins als Ersatz für Teakholz genützt. Wegen seiner ungewöhnlichen Farbe, der Splint ist weißlichgelb, der Kern grünbraun, wird es gerne von Schnitzern und Drechslern verwendet. Allerdings ist das Holz giftig und man sollte sich vor dem Holzstaub im Sägewerk in Acht nehmen. Früher verwendete man die Blüten zum Gelbfärben von Seide und Wolle. Die Robinie ist etwas frostempfindlich, aber sehr resistent gegen Straßenstaub, Abgase und sonstige Belastungen und konnte daher „Karriere“ als straßenbegleitender Baum in Städten machen. In Wienerliedern wird er als Akazienbaum besungen.

Rezept:

4 Eier, 12,5 dag Staubzucker, 17,5 dag Mehl, Salz, Vanillinzucker, 1/8 l Milch.
Dotter und Eiklar trennen, die Eiklar zu steifem Schnee schlagen, den Straubzucker und den Vanillinzucker darunter heben, Milch, Dotter und Salz versprudeln und den Schnee und das Mehl vorsichtig vermischen. Die frischen Robinienblüten (sie welken sehr rasch) in den Teig tunken und in Fett bei milder Hitze herausbacken. Mit Staubzucker und Zimt bestreut servieren.
Achtung: Die gelben Blüten des Goldregens (Labúrnum anagyroides Med.) sind sehr giftig und sollten daher nicht mit der Robinie verwechselt werden!