» Rosengewächse

Asperl, Deutsche Mispel

Mespilus germanica L. (lat.= im deutschen Gebiet wachsend)
Familie Rosaceae (Rosengewächse)

Die Deutschen Mispeln sind meist kleinere Bäume oder große Sträucher und wachsen relativ langsam. Kommen große Bäume vor, sind sie naturdenkmalverdächtig. Sie bevorzugen trockene Standorte und in Südeuropa gibt es verschiedene großfrüchtige Kultursorten.

Es wurde von Botanikern manchmal bezweifelt, dass die deutsche Mispel in Mitteleuropa ursprünglich ein heimischer Waldbaum war. Dagegen spricht aber, dass sie schon im Capitulare Karl d. Großen aufscheint und in der Pflanzliste des Klosters St. Gallen aus dem Jahr 820 n. Chr. erwähnt wird.

In Österreich wird die Deutsche Mispel „Asperl“ genannt. Früher wurde sie bei uns häufig in Gärten gepflanzt und die Früchte, die erst nach dem ersten Frost weich und essbar werden, als Vitaminspender sehr geschätzt. Heutzutage, wo durch Importe frisches Obst zu jeder Jahreszeit zur Verfügung steht, sind sie, weil dieser Konkurrenz nicht gewachsen, etwas in Vergessenheit geraten.

Die Asperlbäume blühen bei uns im Mai, wenn schon die hübschen ca. 12 cm langen elliptischen Blätter vorhanden sind. Die großen Blüten sitzen an den Spitzen der Zweige. Sie sind weiß oder rötlich und ähneln einer Apfelblüte, ohne allerdings den bezaubernden Apfelblütenduft zu besitzen. Dafür setzen ihre dunkelroten Staubbeutel einen aparten Akzent.

Das Holz des Asperlbaumes ist gelblichbraun, hart und wurde deshalb früher von Tischlern und Drechslern sehr geschätzt.

Die Deutsche Mispel steht bei uns unter Naturschutz.


Brombeere, Echte Brombeere

Rúbus fructicósus
(lat. rúbus = Brombeere, lat. fructicósus = fruchttragend)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Brombeere ist in fast ganz Europa, in Vorderasien und Nordafrika verbreitet. Ihre wohlschmeckenden süß-säuerlichen Früchte werden zumindest in Europa fast überall geschätzt und gerne gegessen.

Die Brombeere hat aber die Eigenschaft, dort, wo sie genügend Licht vorfindet, alles zu überwuchern und ein dichtes Gestrüpp zu bilden und ob das immer gewünscht wird, ist eine andere Frage.

Schon die Römer kannten die Brombeere und wussten um die Heilwirkung ihrer Blätter bei Darmbeschwerden, Entzündungen und für die Wundheilung.

Da die Brombeere viel Sonne braucht, wächst sie in Waldlichtungen, Waldrändern, offenen Hängen und Schuttplätzen. Sie bildet lange, stachel­bewehrte Triebe, die immer wieder Senkwurzeln ausbilden und wird so zu einer Pionierpflanze, die weite Areale besiedeln kann. Gerät sie durch das Heranwachsen anderer Bäume in den Schatten, verkümmert sie.

Die blütentragenden Triebe wachsen aufrecht und können bis zu 2 m hoch werden. Die Blätter, die Gerbstoffe und Pflanzensäuren enthalten, sind handförmig geteilt und meist dreizählig. An ihren weißen gelegentlich rosa überhauchten Blüten erkennt man ihre Verwandtschaft zur Heckenrose. Mit ihren zierlichen fünf Blütenblättern sieht sie wie eine kleine Wildrose aus.

Die hübschen Blüten sind traubenförmig an der Spitze der Triebe angeordnet. Die Früchte reifen nicht gleichzeitig. Die ersten reifen Brombeeren gibt es bei uns Ende Juli, die letzten im September. Botanisch gesehen ist die Brombeere aber gar keine Beere, sondern eine Sammelfrucht. Viele kleine Steinfrüchte (im Volksmund sind es Kerne) sitzen auf dem fleischigen Blütenboden. Beim Reifen werden die Brombeeren zuerst rötlich, dann fast schwarz, was ihnen mancherorts den Namen Schwarzbeere oder Moren eingetragen hat.

Die Früchte sind wohlschmeckend und sie werden sowohl roh gegessen, als auch zu Marmelade, Gelee, Säften, Sirup, zu Likör (Kroatzbeere) verarbeitet oder als Kuchenbelag verwendet. Die Früchte enthalten viele Vitamine (A, B, C), Pektin, Zucker und Pflanzensäuren.

Der Tee aus Brombeerblättern wirkt astringierend und wird daher gegen Entzündungen des Mund- und Rachenraumes angewendet. Brombeerblätter finden sich in vielen Teemischungen.


Kroatzbeere, Acker- oder Au-Brombeere

Rúbus caesius
(lat. rúbus = Brombeere, lat. caesius = blaugrau)

Die Kroatzbeere ist vom Wuchs her weniger kräftig als die Brombeere. Ihre Früchte sind blau mit grauer Bereifung und schmecken etwas fade. Sie bevorzugt Auwälder oder feuchtes Brachland, daher wird sie auch Au-Brombeere genannt.

In der Gartenkultur gibt es viele großfrüchtig gezüchtete Sorten von Brombeeren. Der Geschmack dieser Beeren erreicht aber fast nie das Aroma der Echten Brombeeren. Der gute Kroatzbeere Liqueur muss daher aus der echten Brombeere bereitet werden.

Rezept - Brombeertorte mit Schlagobers

Zutaten: 12,5 dag Butter oder Margarine, 10 dag Staubzucker, 1 Ei, abgeriebene Zitronenschale oder 1 Blatt feingehackte Zitronenmelisse, 1 Esslöffel Milch, 25 dag Mehl, 1 Teelöffel Backpulver
Zubereitung: Fett, Zucker und das Ei schaumig rühren, Mehl und Backpulver darunter mischen und backen, auskühlen lassen. Mit ¾ kg Brombeeren belegen und mit geschlagenem gezuckerten Schlagobers verzieren.


Eberesche, Vogelbeere

Sórbus aucupária L. (lat. aucupária = zusammengesetzt aus avis = Vogel und capere = fangen)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Der Name „Eber“-esche hat nichts mit dem Tier Eber zu tun, sondern kommt von „Aber“ wie Aberglaube oder von dem keltischen „eburos“ für Eibe, was auf die roten Früchte hinweist.

Die althochdeutschen Namen für Eberesche „Sperwa“ oder „Spiere“ bedeuten „trocken“, was sich wohl auf die Früchte bezieht. In Sagen aus dem nordeuropäischen Bereich ist die Rede von so genannten „Blutbäumen“. Aus dem Blut unschuldig Hingerichteter wächst eine Eberesche und ihre korallenroten Früchte machen die Tragödie sichtbar. Flatterhaften Mädchen wird in einer Maiennacht von enttäuschten Burschen ein Vogelbeerbaum vors Fenster gestellt.

Im nördlichen Europa und Westasien überall verbreiteter, für ärmere Böden in der Nadelwaldstufe charakteristischer Baum. Europäische Auswanderer haben den beliebten Baum sogar nach Nordamerika gebracht und dort kultiviert.

Wegen seiner Anspruchslosigkeit und weil er nur bis 18 m hoch wird, wird er gerne als Straßenbaum angepflanzt.

Zur Blütezeit Ende Mai, Anfang Juni erscheinen große Doldenrispen mit weißen Blüten. Die Blätter sind bis 30 cm lang, unpaarig gefiedert und auf der Oberseite dunkelgrün, auf der Unterseite etwas heller. Die Früchte sind 1 cm große rotgelbe bis scharlachrote beerenförmige Kernäpfel.

Sie sind bei den Vögeln derart beliebt, dass man sie als Lockmittel beim Vogelfang einsetzte. Besonders Drosseln konnten leicht mit Fangschlingen gefangen werden, wenn man daneben Vogelbeerenfrüchte aufhängte.

Die bitteren Früchte der Eberesche enthalten so viel Zucker, dass man aus ihnen Branntwein erstellen kann. Sie sind also die Grundlage des teuren und hochgeschätzten Vogelbeerschnapses. Außerdem haben sie einen hohen Vitamin C Gehalt, sowie einen hohen Anteil an organischen Säuren, was harntreibend und abführend wirkt. Man kann die reifen Beeren zu Kompotten und Marmeladen verarbeiten.

Vom wissenschaftlichen Gattungsnamen Sorbus leitet sich die Bezeichnung Sorbitol ab, ein zuckerähnlicher Stoff, der in allen Teilen der Pflanze enthalten ist. Man verwendet ihn u. a. zur Kariesvorsorge in Süßwaren.

Das Holz hat einen rötlich-weißen Splint und einen hellbraunen Kern. Es ist elastisch und biegsam, jedoch wenig dauerhaft. Für Drechsler- und Wagnerarbeiten fand es Verwendung.


Elsbeere, Ruhrbirne

Sórbus torminális L. Crantz (lat. = tórmina = die Ruhr)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Elsbeere ist eine Verwandte der Eberesche und des Speierlings. Den Namen Ruhrbirne verdankt sie dem Heilmittel, das man im Mittelalter aus ihren Früchten gegen die Ruhr angewendet hat. Die Elsbeere ist ein mittelgroßer (bis 28 m hoch werdender) Baum in lichten Laubmischwäldern, der neutrale Böden mit Kalk bevorzugt.

Im Mai erscheinen seine weißen Blüten in Doldenrispen. Vom Aussehen her erinnern sie an Ebereschenblüten. Die Blätter der Elsbeere sind ca. 10 cm lang und handförmig gelappt, während die Blätter der Eberesche unpaarig gefiedert sind.

Anhand der Blätter sind die beiden verwandten Arten leicht zu unterscheiden. Auffallend ist im Herbst die leuchtend rote Herbstfärbung des Laubes der Elsbeere.

Die 1,5 cm langen Früchte haben eine birnenähnliche Form. Sie sind zuerst grünlich und im reifen Zustand lederbraun mit hellen Punkten. Nach der ersten Frosteinwirkung werden die Früchte reif und genießbar. Früher wurden die Früchte bei der Obstweinbereitung beigemischt. In Notzeiten setzte man getrocknete und gemahlene Elsbeeren dem Mehl zu, um es zu strecken.

Im Elsass stellt man aus Elsbeeren einen Schnaps her, der „Alisier“ genannt wird und ähnlich dem Schlehenschnaps schmeckt.

Elsbeeren können über 100 Jahre alt werden. Solitärbäume sind so selten, dass sie die Spezialisten unter den Botanikern sozusagen „persönlich“ kennen. Die höchste Elsbeere der Welt (32,6 m im Jahr 1994) steht in Zweibrücken / Deutschland. In Österreich sind alte Elsbeerbäume im Wienerwald bei Neulengbach und Brand-Laaben bekannt.

Das Holz ist im Splint rötlichweiß, im Kern rotbraun und dunkelt an der Luft nach.

Es ist besonders hart und wertvoll. Es gilt als eines der härtesten europäischen Hölzer. Man verwendete es für mechanisch hoch beanspruchte Teile wie Maßstäbe, Weberschiffchen, aber auch der Holzbildhauerei und für Möbel.


Feld-Rose

Rosa arvensis (arvum = lat. Feld)

Hunds-Rose

Rosa Canina (canis = lat. Hund)
Familie Rosácea (Rosengewächse)

Die Rose ist die älteste Kulturpflanze der Welt. Sie ist die unbestrittene Königin der Blumen. Nicht einmal die Orchidee kann ihr diesen Titel streitig machen. Ihre geniale Kombination von Vielfalt und Schönheit, Duft und Schmerz beim Pflücken hat sie zum Sinnbild der Liebe werden lassen. Seit der Antike wurde ihre Schönheit in zahllosen Kunstwerken verewigt. Unzählige Dichter und Musiker hat sie inspiriert. Den mittel­alterlichen Minnesängern war sie das Sinnbild der Geliebten, den Römern das Symbol für Unsterblichkeit. Im irischen Volkslied „The last rose of summer“ steht sie für Todessehnsucht. Als Schiffsleute Edelrosen aus Ostasien mitbrachten, begann in Europa ein Rosenboom. Josephine, die erste Frau Napoleons, hatte in ihrem berühmten Rosengarten eine Sammlung von 250 Rosensorten.

Im 19. Jhdt. begann man die käufliche Schnittrose in großer Zahl zu züchten. Zugute kam der Rose die Eigenschaft, sich leicht zu kreuzen und in Form und Farbe zu ändern. Der Rosen­züchter Isaak Revers erfand den Brauch, Zuchtrosen nach schönen Frauen zu benennen. So konnte sich seine Gattin glücklich schätzen, die Namensgeberin einer schönen Rose zu sein. Noch heute mag wohl manche berühmte Filmschauspielerin vergeblich nach dieser Ehre trachten. In Europa kommen 30 Wildrosenarten vor, die sehr veränderlich sind und sich untereinander ständig kreuzen, sodass das Bestimmen der einzelnen Arten sehr schwierig ist. Die Feld-Rose wächst als etwa 1 m hoher, jedoch bis 2 m weit am Boden kriechender Strauch. Die weißen Blüten tragen in ihrer Mitte eine längere charakteristische Griffelsäule. Umrahmt wird diese Griffelsäule durch eine Unzahl von Staubbeuteln, die reichlich Pollen für Insekten mit beißenden Mundwerkzeugen als Nahrung bereithalten.

Die Hunds-Rose ist ein bis zu 3 m hoher Strauch mit bogig überhängenden Zweigen. Ihre Blüten sind blassrot bis hellrosa. Die Hunds-Rose wird auch Hagebutte genannt, weil sie wie alle Rosen als Frucht eine sogenannte Hagebutte hat, die aber bei dieser Rosenart bis 3 cm lang werden kann. Die Hagebutten sind Sammel­früchte, die außerordentlich reich an Vitamin C, Provitamin A, Vitamine der B Gruppe, Vitamin K und Vitamin P sind. Man bereitet aus ihnen Marmelade, Sirup, Likör, Gelee, Stärkungs- und Anregungsmittel. Der Heiltee aus den Samen wirkt diuretisch. Rosen für kosmetische Zwecke zu verwenden, hat ebenfalls schon eine lange Tradition, die schon Königin Cleopatra kannte. Noch heute ist Rosenöl ein unersetzbarer Rohstoff für die Parfumerzeugung. Keine Rose ohne Dornen. Dieses bekannte Sprichwort ist falsch, denn erstens besitzt die Wildrosenart Alpen-Rose keine „Dornen“ und zweitens sind die „Dornen“, die sich leicht vom Stengel lösen lassen, botanisch gesehen keine Dornen sondern Stacheln.


Felsen-Birne, Baumheidelbeere

Amelánchier ovalis (A. vulgaris)
(Amelánchier = Gattung der Kernobstgewächse lat. ovalis = oval, lat. vulgaris = gewöhnlich)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

In den sommergrünen Wäldern Nordamerikas gibt es 25 Arten von Felsen-Birnen. In Europa und Kleinasien sind jedoch nur zwei Arten beheimatet.

In den Berggegenden Europas sind die Felsen-Birnen selten und der Wanderer freut sich, wenn er sie auf Bergabhängen oder Felsspalten entdeckt.

In letzter Zeit sind Felsen-Birnen jedoch modern geworden und man findet sie häufig angepflanzt in Gärten oder Parks, allerdings meist importierte Sorten.

Die Felsen-Birne ist ein bis 2 m hoher, schlanker Baum ohne Dornen, sie kann aber auch strauchartig wachsen.

Ihre weißen, fünfzipfeligen Blüten stehen in traubigen Blütenständen am Ende der Zweige und erblühen Anfang April. Die einfachen ganzrandigen oder gesägten Blätter sind fast immer weißfilzig behaart.

Anfang Juli reifen bei uns die kleinen violetten Früchte, die wie Äpfelchen ausschauen, aber beerenartig weich sind. Sie enthalten 10 einsamige Fächer und sind wohlschmeckend. Sie sind sehr vitaminreich und gelten allgemein als ungiftig, obwohl die Samen geringe Mengen an cyanogenen Glykosiden enthalten und nicht zerkaut werden sollen. Vor allem kleine Kinder sollten nur wenige Früchte auf einmal essen.

Wegen des Vitamin P Gehaltes der Früchte wird aus dem Saft der Felsen-Birnen ein Mittel zum Festigen der Venen und zur Erhöhung ihrer Elastizität hergestellt. Auch fördert der Felsenbirnensaft den Schlaf, senkt den Blutdruck und steigert die Herzleistung.

Das Holz der Felsen-Birne ist hart und diente früher zum Drechseln von Holznägeln.


Himbeere

Rubus idaeus (lat. rubus = Brombeere, lat. idaeus = auf dem Berg Ida, Kreta wachsend)
Familie: Rosáceae (Rosengewächse)

Die Himbeere ist im gemäßigten Klima der ganzen nördlichen Hemisphäre verbreitet. Die Römer lernten sie anscheinend in Griechenland kennen und schätzen und gaben ihr den Namen rubus idaeus, was auf dem Berg Ida in Kreta wachsend bedeutet. Im Mittelalter wurde sie in Klöstern als Heilpflanze kultiviert. Schon damals kannte man verschiedene Sorten, wie z.B. die Gelbe Himbeere.

Die Himbeere wächst als 2 m hoher Halbstrauch, der schwach bestachelt ist. Ihr deutscher Name kommt von althochdeutsch hintperi, Beere der Hinde (Hirschkuh), weil wohl diese Tiere die Himbeere gerne fressen. Die Himbeere bevorzugt Halbschatten und ist daher an Waldrändern und Lichtungen anzutreffen. Sie ist ein Flachwurzler und erneuert sich jedes Jahr aus ihrem Wurzelstock. Die Triebe tragen erst im 2. Jahr Früchte. Nach dem Fruchttragen sterben diese Triebe ab. Aus dem Wurzelstock kommen jedoch im nächsten Jahr neue Triebe hervor und die Pflanze kann so im Laufe der Zeit ein großes Areal „besetzen“. Die Blätter der Himbeere sind 3 bis 5 zählig gefiedert. Sie enthalten Gerbstoffe, wirken gegen Durchfall und sind häufig in Kräuterteemischungen zu finden.

Die kleinen 5 zipfeligen weißen Blüten können ihre Verwandtschaft mit der Wildrose nicht verleugnen. Auffallend ist ihr vorgewölbter Fruchtboden. Die Beeren sind botanisch gesehen keine Beeren, sondern Sammelfrüchte. Viele kleine Früchte mit jeweils einem Kern sitzen auf dem vorgewölbten Fruchtboden, von dem sie sich leicht lösen lassen. Jeder weiß das, der schon einmal Himbeeren gepflückt hat. Die reifen Himbeeren lassen sich leicht vom Fruchtboden abziehen, der dann als kleines „Säulchen“ am Strauch stehen bleibt. Himbeeren werden gerne roh genossen als Kuchenbelag (besonders harmonisch im Zusammenhang mit Joghurt oder Topfen), in Kombination mit Vanilleeis (Heiße Liebe), kurz mit Zucker erhitzt und mit frischem Pfeffer bestreut als Pfefferhimbeeren. Beliebt ist auch der Himbeersaft, Himbeergelee oder Himbeermarmelade – häufig in Kombination mit Ribiseln.

Als Aromastoff geben sie dem Himbeergeist die besondere Note. Die Himbeere ist vitaminreich (A,B,C), reich an Mineralstoffen und Spurenelementen und sie enthält Ellagsäure, die potentiell gegen Krebserkrankungen wirken soll.

Der wissenschaftliche Nachweis, dass die Himbeere gegen Krebs wirkt, konnte zwar noch nicht erbracht werden, Anhänger der „natürlichen“ Heilmethode schwören aber darauf.

Die Himbeere ist eine beliebte Gartenpflanze geworden mit vielen gezüchteten Sorten, von denen manche auch zwei Mal im Jahr Früchte tragen. Die Früchte der Gartenhimbeeren sind größer als die der wilden Himbeeren, erreichen aber kaum ihr Aroma.


Wild-Birne

Pýrus pýraster (Pýrus = lat. kreisförmig, Kreis Name für Gartenbirne)

Holz-Birne

Pýrus communis (lat. communis = gewöhnlich)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Wild-Birne verdankt ihren lateinischen Namen pýrus (kreisförmig) ihren kugeligen Früchten. Die kleinen, meist zahlreichen Früchte sind aber am Stielende schlanker, als ob die typische Form der Gartenbirnen angedeutet wäre. Die Früchte bleiben auch im Reifezustand sehr hart. Trotzdem dürfte die Wild-Birne schon in der Jungsteinzeit gegessen worden sein, denn sie konnte in Pfahlbausiedlungen nachgewiesen werden. Botaniker streiten darüber, ob die Wild-Birne die Stammmutter unserer Gartenbirne ist, oder nicht vielmehr kleinasiatische Wildformen, weil die Kultur der Birne in Persien und Armenien begann. Die Römer kannten bereits 35 Sorten von Edelobstbirnen. Es ist aber wahrscheinlich, dass die europäische Wild-Birne Anteil an der „modernen“ Edelobstbirne hat.

Die so genannten Holz-Birnen verdanken ihren Namen ihren harten „holzigen“ Früchten und sind verwilderte Formen (aus Samen gekeimte) von Gartenbirnen. Es gibt in den Laubmischwäldern an den Waldrändern Mittel- und Südeuropas 30 bis 40 verschiedene Wildformen der Birne. Im Osten ist ihr natürliches Verbreitungsgebiet mit der Wolga und dem Kaukasus begrenzt. Zu entscheiden, ob es sich bei einem bestimmten Exemplar des Birnbaumes um eine echte Wild-Birne oder um eine Holz-Birne handelt, ist sehr schwierig. Dazu müsste das Genmaterial des Baumes untersucht werden. Vorkommen der echten Wild-Birne sind in Österreich nur mehr an wenigen Stellen gesichert, eines gibt es in der Hainburger Au. Die Wild- oder Holz-Birne kann unter günstigen Verhältnissen ein bis zu 20 m hoher Baum werden. Sie besitzt einen bis weit in die Krone durchgehenden Schaft und eine in ihren Umrissen pyramidale Krone. Ein Kennzeichen der Wild- und Holz-Birne sind auch die verholzten Dornen an den Kurztrieben. Die Blätter sind eiförmig mit deutlicher Spitze, ledrig und an der Oberseite dunkelgrün. Die Blüten sind von einem wächsern schimmernden Weiß. Ihre roten Staubbeutel erhöhen noch die elegante Wirkung der Birnenblüten. Ihr Duft ist allerdings zumindest für menschliche Nasen nicht sehr angenehm, Bienen scheinen ihn zu lieben.

Die 2 – 3 cm langen Früchte der Wild- oder Holz-Birne sind kugelig und mit einer robusten Haut versehen. Trotzdem wurden sie in Notzeiten immer wieder als Mus gegessen. Sie gelten als reich an Vitaminen. Das Birnenholz ist im Splint rötlich, im Kern bräunlich-rot, sehr hart und von hoher Qualität. Es wird als Möbel und Drechslerholz sehr geschätzt und eignet sich auch für den Instrumentenbau. Schwarz gebeizt kann es wie Ebenholz verwendet werden.


Kirschpflaume

Prunus cerasifera (lat. prunus = Kirsche, cerasifera = kirschbildend)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Kirschpflaumen sind in Sibirien über den Kaukasus bis in den nördlichen Balkan beheimatet, können sich aber auch in den Südalpen und gelegentlich sogar in Mitteleuropa durchsetzen. Sie wachsen gerne in Gebüschen und an Weg- und Waldrändern.

Die Kirschpflaume ist ein ausladender Strauch oder lockerkroniger Baum von 4 bis 8 m Höhe, der häufig mit verholzten Dornen besetzt ist. Am schönsten ist die Kirschpflaume zur Blütezeit. Im April, vor Erscheinen der Blätter, überzieht ein dichter Blütenflor von weißen duftenden Blütchen (Durchmesser der einzelnen Blüten 2 cm) die Zweige und bildet so eine unwiderstehliche Attraktion für die Bienen.

Die bis 7 cm langen eiförmigen Blätter sind an der Oberseite glänzend dunkelgrün, an der Unterseite etwas heller und matt.

Die kugeligen 2 bis 3 cm großen Früchte sind entweder gelb bis rötlich oder blau bis violett. Sie sind essbar, wohlschmeckend, süßlich mit einem säuerlichen Nachgeschmack und sehen aus, als wären sie eine Mischung zwischen Kirsche und Pflaume. Ihr deutscher Name bezieht sich ja darauf.

Man kann aus den Früchten eine wohlschmeckende Marmelade, die wegen ihrer Säuerlichkeit gut zu Süßspeisen wie Topfenknödel oder Palatschinken passt, bereiten. Allerdings ist der Arbeitsaufwand beim Entkernen – es gibt einen „Stein“ in der Frucht – relativ groß. Auch zum Schnapsbrennen werden die Früchte gerne verwendet.

Da die Kirschpflaume sehr widerstandsfähig gegen Schädlinge ist, wird sie gerne als Pfropfunterlage für andere Edelobstarten der Rosengewächse genommen.

Eine Unterart der Kirschpflaume ist die Saint Julienpflaume, die violette, etwas fad schmeckende Früchte trägt und die in Frankreich im Bordeauxweingebiet als Pfropfunterlage für Reineclauden dient.

Das Holz der Kirschpflaumen ist wie bei allen Prunusarten hart und widerstandsfähig und eignet sich daher gut für Drechslerarbeiten.


Quitte

Cydónia oblonga
(Cydónia ) Stadt auf Kreta, oblonga = länglich)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Quitte ist ein Baum oder großer Strauch bis 8 Meter Höhe mit breiter flacher Krone und sparrig abstehenden Ästen. Die bis zu 10 cm langen ovalen Blätter sind auf der Oberseite matt dunkelgrün und auf der Unterseite heller und filzig behaart. Sie erscheinen vor den hübschen Blüten am Baum. Ende Mai bis Anfang Juni erblühen endlich die auffallend großen (Durchmesser 6 cm) reinweißen oder rosa geäderten Blüten, die an der Spitze der Zweige sitzen.

Im Herbst werden die großen, schweren birnen- oder apfelförmigen Früchte reif. Ihre Farbe kann von grünlich bis gelb variieren. Faszinierend ist aber ihr intensiver würziger Duft. Eine Obstschale mit Quitten gefüllt, kann einen ganzen Raum mit wunderbarem Duft erfüllen.

Die Quitte war ursprünglich in Westasien beheimatet und wurde schon von den alten Griechen kultiviert. Bei uns gedeiht sie besonders gut in Weinbauregionen und ist dort manchmal verwildert anzutreffen. Die berühmten Äpfel der Hesperiden waren wahrscheinlich eigentlich Quitten, denn in der Antike waren die Äpfel noch nicht zur heutigen Größe herangezüchtet. Die Hesperiden waren die Töchter des Atlas und der Hesperis, der Göttin der Nacht. Sie hüteten mithilfe eines schlaflosen Drachens diese goldenen Äpfel der Hera, die diese wiederum von der Erdgöttin Gäa als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte. Durch eine List konnte Herakles diese Äpfel entwenden. Auch der berühmte Liebesapfel der Venus dürfte eine Quitte gewesen sein. Der Zwietracht säende Apfel der Eris, um den sich die drei Göttinnen Athene, Aphrodite und Hera stritten und den nicht gerade mit Schlauheit gesegneten Paris als Schiedsrichter anriefen, war etwa auch er eine Quitte? Das undiplomatische Urteil des Paris hat jedenfalls den Trojanischen Krieg verursacht.

Dabei ist die Quitte roh gar nicht essbar, denn so ist sie holzig und hart. Erst verkocht wird sie zur „Trüffel“ unter den Kernobstarten. Quitten einem Apfelgericht beigemischt, verleihen diesem jenes geheimnisvolle Aroma, das die hochgezüchteten Apfelsorten heute nicht mehr bieten können.

In Großmutters Küche durfte das Quittengelee nicht fehlen. Hier ein Rezept:

Quittengelee

1 Liter Saft von Quitten und Äpfeln,
1 kg Gelierzucker, einige Pfefferminzblätter
Quitten und Äpfel waschen, von Stängeln und Butzen befreien, schneiden und heiß entsaften.
Den Saft mit Gelierzucker vermischen und unter Rühren sprudelnd einige Minuten kochen lassen (Gelierprobe). Die kleingeschnittenen Pfefferminzblätter in das fertige Gelee einrühren und in kleine


Schlehdorn, Schwarzdorn

Prúnus spinósa L. (lat. = dornige Kirsche)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Der Schlehdorn ist eine uralte europäische Waldpflanze. Schon in den Pfahlbausiedlungen wurden seine Früchte gegessen. Archäologen fanden Haufen der Fruchtsteine bei diesen Behausungen.

Der Schlehdorn hat große Ausschlagskraft, sodass er rasch Hecken bildet. Seine sparrigen bedornten Äste bieten den Singvögeln Schutz. Schlehdornhecken sind für sie ideale Brutplätze.

Ende April überzieht sich der Schwarzdorn mit einem dichten Schleier weißer duftender Blütchen, dass man sich fragt, wie dieser Strauch zu dem Namen Schwarzdorn kommen konnte.

Im Herbst werden die kugeligen dunkelblauen 10 bis 15 mm langen Steinfrüchte reif. Sie sind essbar und sehr vitaminreich, haben aber einen sehr herben Geschmack. Diese Herbe regt die Speichelsekretion stark an. So haben die Spinnerinnen früher gerne eine Schlehdornfrucht in den Mund genommen, um immer genügend Spucke zum Anfeuchten des Fadens zur Verfügung zu haben.

Der Schlehdorn spielte in der Volksmedizin eine große Rolle. Man verwendete Blütensirup, Blütentee, der krampflösend wirken sollte und man bereitete aus den Früchten eine Art Wein. Auch ein Schnaps wird daraus gebrannt, der allerdings nur bei Kennern beliebt ist. Noch heute enthalten manche Vitamindrinks Schlehdornfrüchte.  Das Holz des Schlehdorns ist sehr hart und im Splint rötlich mit braunrotem Kern. Man verwendete es früher gerne für Drechslerarbeiten und in der Möbeltischlerei.

Auch bei der Salzgewinnung fand der Schlehdorn Verwendung. Man sprühte die Sole in den Gradierwerken über die sparrigen Schlehdornäste, wobei sich die Sole eindickte und man sich beim Salzsieden Feuerholz sparte.


Speierling

Sórbus dómestica
(lat. = dómestica = häuslich)
Familie Rosaceáe (Rosengewächse)

Der Speierling zählt in Mitteleuropa zu den bedrohten Baumarten. In Deutschland ist die Zahl der größeren Bäume auf unter 4000 gesunken. Er wurde daher 1993 zum Baum des Jahres erklärt.

Früher war der Speierling in Europa stärker verbreitet, verwendete man doch seine Früchte als Heilmittel bei Darmerkrankungen.

Er ist ein langsam wachsender Baum, wird aber bis zu 400 Jahre alt. Sein festes schweres Holz gilt als „Eisenholz“ Europas. Man verwendete das kostbare Holz, das in der Farbe der gedämpften Buche ähnelt, für Musikinstrumente, Hobel, Billardstöcke, Flöten und Spielpfeifen des Dudelsacks.

Der Speierling vermehrt sich durch Samen herabfallender Früchte, die aber im Winter vor allem von Mäusen gefressen werden. Keimende Speierlinge können sich wegen ihres langsamen Wachstums nur schwer gegen Fichten oder andere Laubbäume durchsetzen und brauchen daher ständige Förderung. So gedeihen sie am besten an Waldrändern oder als Solitärbäume. Ihre Krone kann einen Durchmesser von 20 Metern erreichern.

Die Blätter des Speierlings ähneln denen der Eberesche, sind unpaarig gefiedert und verfärben sich Herbst gelb bis zart rot. So setzen die Speierlinge im herbstlichen Wald einen markanten Akzent. Ein blühender Speierling ist nicht zu übersehen.

Die fast 2 cm großen weißen Blüten stehen in 50 Stück zu einer Doldenrispe zusammen. Aus einem Blütenstand reifen 15 – 20 Früchte. Ein großer Baum kann bis zu 1000 kg Frucht tragen.

Die Früchte ähneln einer kleinen rotgelben Birne, sie können aber auch apfelförmig sein.

Früher wurden die Früchte auf den Markt gebracht und als Obst verzehrt. Gepresst wurden sie dem Apfelwein zugesetzt, was den Most klarer und besser haltbar machte, weil er Parasorbinsäure enthält.

Der herbfrische Geschmack des Speierlingmostes wird von Kennern sehr geschätzt.

Aus den reifen vergorenen Früchten destilliert man auch heute noch Obstler, der ohne Zweifel zu den exquisitesten und teuersten Schnäpsen (Sorbette) zählt.


Vogel-Kirsche, Wild-Kirsche

Prúnus ávium L. (lat. Prúnus = Kirsche, ávium = der Vögel)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Das Verbreitungsgebiet der Wild-Kirsche reicht von Mittel- und Südeuropa bis Westsibirien. Sie gedeiht eher auf besseren Böden in der Ebene bis ins niedrige Bergland. Die Vogel-Kirsche ist nicht nur bei den Vögeln, wie schon ihr Name sagt, sehr beliebt, sie kann als Stammform der Kultursorten der Kirsche angesehen werden.

Die süßen Kirschensorten stammen von der Vogel-Kirsche ab, wie Funde aus der Jungsteinzeit zeigen. Im alten Griechenland waren schon im 4. Jahrhundert vor Christi verschiedene Sorten kultivierter Kirschen bekannt. Der römische Lebemann und Hobbykoch Lukullus hat die veredelte Kirsche in Rom populär gemacht.

Bei den Kultursorten unterscheidet man zwei Arten: var. Juliana – Frucht weichfleischig, meist schwarz und duracina – Frucht hartfleischig, meist gelb oder rot.

Die Kirsche galt vor Zeiten des Kühltransportes außerhalb der Erntezeit als Luxusobst. So ließ sich zum Beispiel der Preußenkönig Friedrich II sein Lieblingsobst stückweise importieren und bezahlte horrende Summen dafür.

Die Vogelkirschenblüten erscheinen Ende April, Anfang Mai vor den Blättern in doldenförmigen Büscheln bis zu sechs Blüten an langen Stielen. Die zart duftenden Blüten werden von Bienen regelrecht umschwärmt.

Blühende Kirschbäume sind die Attraktion des Waldes im Frühling. In Japan feiert man um diese Zeit das berühmte Kirschblütenfest.

Auch als Orakel können blühende Kirschzweige dienen. Blüht ein Barbarazweig, der am 4. Dezember in die Vase gestellt wurde, zu Weihnachten, steht im neuen Jahr eine Hochzeit ins Haus.

Das Holz der Kirsche ist sanft rötlich und wird als Möbelholz sehr gesucht. Auch Drechslerarbeiten lassen sich gut aus Kirschholz anfertigen.

Schließlich sei noch der „Kirschgeist“ erwähnt, der jedoch meist aus veredelten Kirschsorten gebrannt wird.


Trauben-Kirsche

Prúnus pádus L. (lat. Prúnus = Kirsche, griech. pádos = Name einer unbekannten Baumart)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Die Trauben-Kirsche wächst vor allem in Auwäldern und an Bachläufen in Mitteleuropa und Asien. Sie ist ein bis 15 m hoher Baum oder Strauch mit nach oben abstehenden Ästen.

Seine eiförmigen oben zugespitzten Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün und etwas runzelig, auf der Unterseite bläulich bereift und tragen gelbliche Haarschöpfe in den Nervenwinkeln.

Anfang Mai erscheinen die reichblütigen weißen Trauben an langen Stielen.

Ein über und über mit weißen Blütentrauben behängter Strauch fällt im Auwald um diese Jahreszeit, wenn Weiden und Pappeln schon verblüht sind, auf.

Die Blüten verströmen einen starken, ja aufdringlichen Duft.

Die Früchte sind schwarzglänzend, erbsengroß und bilden lockere Trauben. Sie enthalten einen gefurchten kleinen Kern. Von Vögeln werden sie gerne gefressen. Der bittersüße Geschmack der Früchte sagt den Menschen weniger zu, so dass sie als ungenießbar gelten.

Allerdings dürften sie zur Zeit der Pfahlbausiedlungen verspeist worden sein, denn man findet die Kerne der Trauben-Kirsche in großer Zahl bei archäologischen Ausgrabungen.

Das Holz der Trauben-Kirsche hat einen braungelben Kern und einen gelblichweißen Splint. Es wird wenig geschätzt und dient als Brennholz.


Weißdorn (zweigriffeliger), Hagedorn

Crataegus oxyacántha L. (Crataegus = Name einer uns nicht mehr bekannten Baumart, griech. oxys = scharf, akantha = dornig)
Familie Rosácaea (Rosengewächse)

Der zweigriffelige Weißdorn ist in Mittel- und Südeuropa an lichten trockenen Standorten wie Hecken oder Waldränder heimisch. Er bevorzugt kalkhaltige Böden.

Er wächst als Strauch oder seltener als bis zu 8 m hoher Baum mit reich verzweigten sparrigen Ästen. Seine Zweige sind mit einfachen kurzen Dornen, die meist neben den Blättern sitzen, bestückt. Er verträgt das Zurückschneiden sehr gut und das alles prädestiniert ihn als Vogelschutzhecke.

Die Blätter des Weißdorns haben einen eiförmigen Umriss, in der oberen Hälfte sind sie gelappt. ( 3 bis 5 Lappen) Im Herbst verfärben sich die Blätter rötlich und bleiben relativ lange am Strauch.

Im Mai, wenn die jungen Blätter schon vorhanden sind, erscheinen die weißen Blüten mit ihren markanten roten Staubbeuteln in Doldenrispen an den Spitzen der Zweige. Beim zweigriffeligen Weißdorn sind in der Blüte zwei bis drei Griffel vorhanden, beim eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogýna) nur einer, die auch in den Früchten noch als Kerne zu erkennen sind.

Die leuchtend roten bis dunkelroten Früchte sind botanisch gesehen eine Scheinfrucht mit mehligem Fruchtfleisch und essbar. In Notzeiten mischte man die Früchte, die Mehlfässchen genannt wurden, unter das Brotmehl.

Auch heute noch verwendet man Blüten und Früchte des Weißdorns als Heilmittel bei Herz- und Kreislauf­beschwerden, zur Senkung des Bluthochdrucks und bei arteriosklerotischen Beschwerden.

Das fleischrote bis gelbe Holz ist sehr hart und zäh und wird daher gerne zu Spazierstöcken verarbeitet. Auch die Drechsler verwenden es oft.

Der Weißdorn ist als Pfropfunterlage für andere Obstarten sehr geeignet. Früher wurden viele verschiedene Weißdornarten bei uns kultiviert und als Obst verwendet, wie z.B. die sogenannten Paradeisapferl.


Wild-Apfel, Holz-Apfel

Málus sýlvestris (L.) Mill. (lat. Málus = Apfel, sýlvestris = im Walde, das heißt wild wachsend)
Familie Rosáceae (Rosengewächse)

Der Apfel ist wohl die berühmteste Obstsorte der westlichen Welt. Mit ihm als verbotener aber gleichwohl gegessener Frucht fängt die Menschheitsgeschichte in der Bibel an. Experten streiten allerdings, ob in der Bibel wohl überhaupt ein Apfel gemeint war, oder nicht vielmehr ein Granatapfel oder eine Quitte, denn die Edelobstart Apfel, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich erst später durch Züchtung.

Die Römer kannten bereits 29 verschiedene Apfelsorten. Der Apfel ist trotzdem ein Sinnbild für Fruchtbarkeit und die Liebe geblieben. Um Nachkommen zu erhalten, mussten im alten Griechenland Braut und Bräutigam einen Apfel verzehren. Auch in der germanischen Mythologie spielte der Apfel eine Rolle als lebensspendende Gabe. So zeugte Odin seinen Sohn Wälse durch Überreichung eines Apfels. Noch heute gibt es in Deutschland einen Brauch, zu Weihnachten oder Sylvester aus einer Apfelschale, die in einem Stück vom Apfel geschält werden muss, die Zukunft vorherzusagen. Lediglich im Märchen Schneewittchen spielt der Apfel eine negative Rolle.

Ebenso ist es nicht gesichert, ob unsere heutigen Gartenäpfel auf die mitteleuropäischen Wildäpfel zurückgehen, oder ob nicht eher die asiatischen Wildapfelarten einen größeren Anteil als Stammeltern haben. Seit jeher wurden Äpfel als Vitaminspender sehr geschätzt. Ihre Spuren sind in den Pfahlbausiedlungen nachweisbar und ihre Verwendungszwecke als Most , Saft, Calvados, Kompott, Mus, Gelee, Kuchen, Strudel, ... sind heute Legion.

Ja der Apfel diente auch schon der Wissenschaft. Isaak Newton, dem englischen Mathematiker und Physiker (1643 – 1727), verhalf er zur Entdeckung der Gravitationsgesetze, in dem er ihm einfach auf den Kopf fiel. Der Wild-Apfel wuchs früher häufiger als heute in lichten Laubmischwäldern Mitteleuropas. Er ist ein bis 10 m hoher Baum mit kurzem Schaft und weit ausladender Krone. Ein Kennzeichen, dass es ein echter Wild-Apfel ist und nicht etwa eine verwilderte Kultursorte, sind zahlreiche verholzte Dornen. Wunderschön sind die Blüten der Apfelbäume, wenn sie im Mai zusammen mit den ersten zarten Blättern zu dritt oder zu sechst in aufrechten Doldentrauben erscheinen.

Die großen Blüten sind nie rein weiß, sondern immer etwas rötlich überlaufen und haben gelbe Staubbeutel. Man sollte es nicht versäumen, die Nase in sie hineinzustecken. Mit ihrem wunderbaren Duft atmet man den Frühling selber ein. Die Frucht des Holz-Apfels hat einen Durchmesser von 4 cm, ist kurz gestielt, kugelig bis eiförmig und am Grund des Stiels eingesenkt. Das Holz des Apfelbaumes wird gelegentlich als Möbel- und Drechselholz verwendet, wird aber nicht so hochgeschätzt wie das Birnenholz, obwohl es sehr schöne Farben hat, im Splint rötlichweiß und im Kern hellrotbraun ist.