» Ölbaumgewächse

Esche

Fraxinus excélsior l.
(Fraxinus = griech. phrasso = umzäunen, lat. excélsior = höher (als andere Eschenarten))
Familie Oleáceae (Ölbaumgewächse)

Die Esche ist in ganz Europa mit Ausnahme von Südspanien und Nordskandinavien verbreitet. Sie hat es geschafft, nach den Eiszeiten wieder ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet zu besiedeln.

Die Esche bevorzugt nährstoffreichen Boden und verträgt kurzzeitige Überflutungen. Daher zählt sie zu der Baumgesellschaft der so genannten Harten Au. Sie gedeiht aber auch auf trockenen Hängen bis zu einer Meereshöhe von 1200 m.

Die Esche wird ein bis zu 40 m hoher Baum mit hohem Stamm und geringer Verzweigung. Sie kann eine Stammdicke bis zu 2 m erreichen und bis zu 250 Jahre alt werden. Erst im Alter von 30 Jahren wird sie blühfähig.

Die Rinde der Esche ist bei jungen Bäumen glatt, bei älteren Bäumen rissig und hat dann eine gewisse Ähnlichkeit mit Eichenrinde. Ihre unpaarig gefiederten Blätter werden bis zu 35 cm lang und fallen noch grün als Ganzes ab. Sie dienten früher als Winterfutter für das Vieh. Offenbar ist die Esche auf den Stickstoff in ihren Blättern nicht angewiesen, weil sie ihn sich im Herbst nicht zurückholt wie die meisten anderen Laubbäume.

Die Blüten der Esche erscheinen vor den Blättern Ende April. Die Blütenbüschel haben je 2 purpurfarbene Staubgefäße und einen zweinarbigen grünen Fruchtknoten. Sie werden vom Wind bestäubt. An einem Baum kommen aber auch rein weibliche oder rein männliche Blüten vor. Botanisch wird das als dreihäusig bezeichnet.

Die Früchte der Esche sind einsamige Nüsschen, die einen langen gelbbraunen Flügel besitzen, mit dem sie sich wie ein Schraubenflieger vom Wind bis zu 250 m weit vom Stamm wegtreiben lassen.

Das Holz der Esche ist sehr wertvoll. Es hat einen gelblichweißen Splint und bei älteren Bäumen einen bräunlichen abgesetzten Kern. Wegen seiner Festigkeit und Biegsamkeit wird es seit jeher für Bögen und Speere, für Werkzeugstiele, Wagenräder, Maschinenteile, Kufen, Musikinstrumente etc. verwendet.
 
Bei den Römern war der Pfeil Amors aus Eschenholz. In der Ilias Homers verwenden die Helden Eschenspeere, die „krachend des Panzers Erz an feindlicher Brust zerschmettern.“
 
Hexen mussten auf Besen mit Eschenstiel reiten, wollten sie sich in die Luft erheben. Schlugen die Hexen mit Eschenzweigen auf Wasser, konnten sie Gewitter und Hagel etc. erzeugen.

In der nordischen Edda-Sage ist die Esche der Weltbaum Yggdrasil, der mit seinen drei Wurzeln die drei unterschiedlichen Welten verbindet. Jeden Tag kommen die Götter über den Regenbogen zur Weltesche, um hier Gericht zu halten. In ihrem Schatten sitzen die drei Nornen, die das Schicksal der Menschen bestimmen.

In Richard Wagners Ring-Zyklus rammt der Gott Wotan das Schwert Notung für seinen Liebling Sigmund in einer Esche Stamm. In der germanischen Mythologie war die Esche das Symbol für den ersten Mann, die Erle das Symbol für die erste Frau, die miteinander das erste Menschenpaar bildeten.

In der Volksmedizin gilt die Eschenrinde als harntreibend. Nützlich gegen Gicht und Rheuma soll ein Tee aus Eschenblättern sein.

Eschenblätter roh als Salat gegessen sollen ebenfalls heilende Wirkung haben. Im Mittelalter verwendete man zerstoßenen Eschensamen als Aphrodisiakum. Ähnliches ist aus der Welt der Indianer und der Chinesen für jeweils dort vorkommende Eschenarten überliefert.

Wunden wurden mit Eschenrinde verbunden. Deshalb heißt die Esche in manchen Gegenden auch Wundholz.


Liguster, Rainweide

Ligústrum vulgáre L., (lat. ligare = binden, vulgare = gewöhnlich)
Familie Oleáceae (Ölbaumgewächse)

Der Liguster gedeiht auf nährstoffreichen Böden in Gebüschen und Hecken, auch in Auwäldern und ist in Süd- und Mitteleuropa, in Nordafrika und in Westasien verbreitet.

Weil Liguster als bis zu 3 m hoher, stark verzweigter Strauch wächst, der reichlich Wurzelbrut treibt und das Zurückschneiden gut verträgt, eignet er sich ausgezeichnet als lebender Zaun oder Gartenhecke.

Seine kurzgestielten, ganzrandigen, ledrig wirkenden Blätter bleiben teilweise im Winter am Strauch, was auf seine südliche Herkunft hinweist. Die dunkelgrünen Blätter verfärben sich im Herbst violettgrün. Im Juni erscheinen die weißen Blüten, dichtgedrängt in endständigen Rispen und verströmen einen intensiven Geruch, der zumindest für menschliche Nasen nicht angenehm ist. Für Bienen sind die Blüten jedoch sehr attraktiv und Ligusterhecken sind eine wertvolle Bienenweide. Nachts besucht sie der Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri L.).

Die glänzend schwarzen kugeligen Beeren bleiben im Winter am Strauch. Sie ergeben ein bezauberndes Bild, wenn sie wie schwarze Perlen unter einer Schneehaube hervorlugen. Sie sind schwach giftig und enthalten ein bisher nicht verwendetes fettes Öl (15 bis 25 %). Früher verwendete man die Beeren zur Tintenbereitung und zum Schwarzfärben. Die Blätter galten als Heilmittel bei Mund und Halsgeschwüren. Mit der Rinde färbte man Wolle gelb. Die Rainweide kam in Europa schon in den Zwischeneiszeiten vor und ihr Holz ist sehr hart und wird zum Drechseln verwendet. Ihre sehr biegsamen Zweige dienten schon seit jeher als Material für grobes Flechtwerk und für starke Körbe, worauf der Name Rainweide hinweist.