» Lindengewächse

Winter-Linde

Tilia cordáta (T. parvifólia Ehrh.) (lat. cordata = herzförmig, parvifólia = kleinblättrig)

Sommer-Linde

Tilia platyphýllos Scop. (T. grandifólia Ehrh.) griech. platyphýllos = breitblättrig,
lat. grandifólia = großblättrig)
Familie Tiliáceae (Lindengewächse)

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.
Ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum,
ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.
Es zog in Freud und Leiden zu ihm mich immer fort.

Dieses Lied Franz Schuberts aus seinem Liederzyklus „Die Winterreise“ ist zu einem Volkslied geworden und tatsächlich bildeten Linden auf dem Dorfplatz einen Mittelpunkt der Dorfkultur. Unter den Linden hielten die Alten Deutschen Gericht. Lindenholz war lignum sanctum – heiliges Holz, aus dem man Marien- und Heiligenstatuen schnitzte. Unter Lindenbäumen saß man beisammen und plauderte, unter ihnen tanzte und sang man. Die hohe Wertschätzung der Linde geht darauf zurück, dass die Linde der germanischen Göttin Freia, der Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und der Ehe, heilig war.

Schon vor der Eiszeit waren Linden in Europa verbreitet. Nach der letzten Eiszeit wanderten sie wieder bei uns ein. Seit längerer Zeit werden Linden in den heimischen Wäldern aber immer seltener und verschwinden teilweise vollständig aus den Forsten.

Die Sommer-Linde blüht etwas früher (Ende Juni) als die Winter-Linde. Beide haben sie aber gemeinsam, dass ihre unauffälligen gelben Blüten erst nach den Blättern erscheinen. Sie müssen daher mit betörendem Duft ausgestattet werden, um bestäubende Insekten anzulocken. Riecht man den unwiderstehlichen Blütenduft der Parklinden, weiß man, dass auch in der Stadt der Sommer angefangen hat.

Tee aus Lindenblüten ist seit altersher ein Mittel zur Fiebersenkung. Er wirkt schweißtreibend und krampflösend. Lindenblütenhonig wird hoch geschätzt, das Duftöl von der Parfumindustrie zehnmal teurer als Rosenöl bezahlt. Das Holz wird auch heute noch für Schnitzarbeiten sehr gesucht, ferner werden Gebrauchsgegenstände wie Holzschuhe, Schachteln etc. daraus gefertigt. Die Linde liefert den besten Bast. Gewebe aus Lindenbast wurden bereits bei Pfahlbauten gefunden.

Bei der Samenverbreitung bedienen sich die Linden des Windes. Ihre Samen (Lindennüsschen) sind mit einem propellerartigen Flugblatt ausgestattet. So bewegen sie sich hubschrauberähnlich mit dem Wind fort. Die Früchte keimen aber meist erst im zweiten Jahr. Sommer- und Winter-Linde sind sich recht ähnlich. Manchmal kreuzen sie sich auch miteinander, sodass die Unterscheidung oft schwer fällt. Die Blätter der Winter-Linde sind meist etwas kleiner als die der Sommer-Linde, die ihrerseits etwas schief herzförmig sind. Das beste Unterscheidungsmerkmal sind aber die Härchen an den Blattadern auf der Blattunterseite. Bei der Sommer-Linde sind sie weiß, bei der Winter-Linde rostfarben.