» Geißblattgewächse

Gemeiner Schneeball, Wasser-Schneeball

Vibúrnum épulus (lat. épulus = Artname des Feldahorns)
Familie Caprifoliáceae (Geißblattgewächse)

Der Gemeine Schneeball ist in ganz Europa mit Ausnahme Nordeuropas verbreitet, ebenso in West- und Nordasien. Er bevorzugt sickerfeuchte, nährstoffreiche Böden, wie sie an Bachläufen und Auwäldern anzutreffen sind.

Der Schneeball bildet raschwüchsige, dünnästige Sträucher, die in Gebüschen oft den Eindruck einer Schlingpflanze erwecken. Da er großes Ausschlagsververmögen besitzt und viel Wurzelbrut treibt, eignet er sich besonders gut für Hecken.

Seine bis 10 cm langen drei- bis fünflappigen Blätter sind ahornähnlich (Siehe lateinischer Name!) und haben an den Blattstielen nektarausscheidende Drüsen, die gerne von Bienen besucht werden. Wenn Ende Mai die Blätter schon vorhanden sind, erscheinen die Blüten in großen endständigen schirmförmigen Trugdolden, die sehr dekorativ wirken. Beim Gemeinen Schneeball sind die Randblüten größer als die übrigen Blüten. Sie sind unfruchtbar und dienen nur der Reklame, um potentielle Bestäuber anzulocken. Die inneren fruchtbaren Blüten sind klein, weiß und manchmal rötlich überlaufen.

Bei Kultursorten des Schneeballs hat man es geschafft, alle Blüten zu unfruchtbaren Randblüten werden zu lassen, sodass sie schneeballähnliche kugelige Blütenstände bilden.

Die erbsengroßen Beeren sind glänzend rot und besitzen einen roten Steinkern. Auch im Winter bleiben sie teilweise am Strauch, was, wenn sie eine Schneehaube tragen, einen schönen Effekt ergibt.

Die Beeren des Schneeballs gelten als stark giftig. Besonders schädlich sind sie für die Verdauungsorgane der Menschen. Nun ist die Giftigkeit von Früchten eine Strategie der Pflanze, sich vor Fraßfeinden zu schützen. Tiere, die die Samen verbreiten sollen, könne aber die Früchte schadlos genießen.

Bei den Früchten des Gemeinen Schneeballs ist es aber so, dass sie sogar von Vögeln teilweise gemieden werden, sodass man sich fragt, wer denn eigentlich die Konsumentenzielgruppe dieser Beeren ist.

Die Rinde des Gemeinen Schneeballs enthält Baldriansäure und wurde früher zur Herstellung von krampflösenden Medikamenten verwendet.


Rote Heckenkirsche, Beinholz

Lonicera xylósteum (Lonicera = abgeleitet von Lonitzer,
Botaniker im 16. Jhdt., griech. xylósteum = aus xylós = Holz, osteon = Knochen)
Familie Caprifoliáceae (Geißblattgewächse)

Die Rote Heckenkirsche kommt in ganz Europa bis Sibirien vor mit Ausnahme des Hohen Nordens, des äußersten Südens und der Inseln. Sie stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, liebt aber Kalk.

Die Rote Heckenkirsche wächst als reich verzweigter bis 3 m hoher Strauch, ihre Blätter sind weich, gegenständig angeordnet und gestielt. Ihre Äste werden durch Schwinden des braunen Markes hohl, das „knochenharte“ Holz ist daher einem Röhrenknochen nicht unähnlich (Beinholz).

Zur Blütezeit im Mai erscheinen die „Zwillingsblüten“. Immer zwei weiße, später gelblich überlaufene Blüten sitzen auf einem achselständigen Stiel. Sie werden von Waldhummeln bestäubt. Auch die dunkelroten, glasartig glänzenden Beeren sind am Grunde etwas zusammengewachsen. Die nicht ganz erbsengroßen Beeren sind giftig, schmecken bitter und wirken stark brecherregend. Vergiftungen mit tödlichem Ausgang sollen bei Kindern vorgekommen sein.

Die Pflanze enthält Saponine, die jedoch für medizinische Zwecke nicht verwendet werden.

Vögel können die Beeren jedoch unbeschadet fressen. Da sie die Samenkerne unverdaut ausscheiden, sorgen sie auf diese Weise für die Verbreitung der Pflanze.

Die Schwarze Heckenkirsche, Lonicera nigra ist in Wuchs und Aussehen der Roten Heckenkirsche ähnlich, hat aber rötliche Blüten und schwarze Beeren.

Die hübschen Sträucher der Heckenkirschen sind bei Gärtnern beliebt und werden häufig angepflanzt, obwohl die Kirschfliege als Made in den Beeren der Heckenkirschen lebt und unter Umständen die Kirschernte beeinträchtigt.


Roter Holunder, Trauben-, Hirsch-Holunder, Roter Holler

Sambúcus racemósa L. (Sambúcus = Artname, lat. racemósa = traubig)
Familie Caprifoliáceae (Geißblattgewächse)

Der Rote Holunder ist eng verwandt mit dem Schwarzen Holunder, kommt aber nicht so häufig wie dieser vor. Der Rote Holunder ist ein bis zu 4 m hoher Strauch, dem Schwarzen Holunder sehr ähnlich, wirkt aber in allen Teilen zierlicher. Er wächst in lichten Laubwäldern Mittel- und Südeuropas und bevorzugt kalkarme Böden. Auch in Nordasien und Nordamerika ist er heimisch.

Im März bis April erscheinen seine grünlichgelb blühenden Rispenblüten gemeinsam mit den Blättern. Besonders schön sind seine leuchtend korallenroten Beeren, die im August reif werden. Die Samen des Roten Holunders sind wie die des Schwarzen Holunders schwach giftig. Dieses Gift verschwindet jedoch bei Einwirkung von hohen Temperaturen.

Daraus ergibt sich, dass Menschen Holunderbeeren nicht roh essen sollen, Vögeln scheint das aber nicht zu schaden. Bei der Herstellung von Holundersaft sollte man die Giftigkeit bedenken und durch Dampf entsaften oder den Saft nur verdünnt genießen.

Aus Funden weiß man, dass schon die Menschen der Steinzeit Holunder verwendet haben. Wegen der vielseitigen Heilwirkungen wurde Holunder schon seit alters her planmäßig von Menschen verbreitet. Tee aus den Blüten wirkt schweißtreibend und fiebersenkend, die reifen Beeren mit Zucker eingekocht, ergeben ein wohlschmeckendes Kompott oder einen Fruchtsaft, der allerdings leicht abführend wirkt.

Die Samen des Roten Holunders enthalten reichlich Öl, das sich schon beim Kochen absondert und zum Braten und Backen verwendet werden kann. Bekannt ist das Holundermark, das sich in den Zweigen befindet und das zur Anfertigung von mikroskopischen Schnitten dient.

Rezept für Holunderblütenkrapfen:

Zutaten: 16 Hollerblüten, 4 Eier, 12,5 dag Staubzucker, 17,5 dag Mehl, 1 Pkg. Vanillinzucker, 1 Prise Salz, 1/8 l Milch, Backfett, Staubzucker zum Bestreuen.
Eiweiß steif schlagen, Staubzucker unterziehen, Mehl unterheben, Eigelb mit Milch, Vanillinzucker und Salz verquirlen, mit dem Eischnee vermischen. Holunderblüten eintauchen und in heißem Fett bei geringer Hitze backen.