» Efeugewächse

Efeu

Hédera hélix L. (griech. hedra = sitzen, lat. hélix = windend)
Der deutsche Name Efeu soll auf das lateinische Wort ibex = Steinbock, also Kletterer, das althochdeutsch ebah hieß, zurückgehen.
Familie Araliáceae (Efeugewächs)

Efeu ist in West-, Mittel- und Südosteuropa heimisch, meidet jedoch die Zentralalpen und die Ungarische Tiefebene.

Der Efeu ist in vielerlei Hinsicht eine seltsame Pflanze und fällt aus dem Rahmen. So blüht er zum Beispiel im Herbst (September, Oktober) und seine Früchte werden im Frühling (Februar, April) reif. Er ist der einzige Vertreter der Araliengewächse in Europa, die ja in den Tropen zahlreich sind. Tatsächlich war auch der Efeu einmal in tropischen Wäldern zu Hause, allerdings im Erdzeitalter Tertiär, das vor 22,5 Mio Jahren bis 5 Mio Jahren vor unserer Zeitrechnung angesetzt wird. Irgendwie hat es der Efeu geschafft, sich an die geänderten Klimaverhältnisse in Europa anzupassen.

Efeu kann 400 Jahre alt werden. Zurecht gilt er daher seit der Antike als Sinnbild für ewiges Leben, ewige Treue, für Lebensfreude und Lebenskraft.

Efeu war dem griechischen Gott Dionysos heilig. Daher trugen die Griechen bei ihren festlichen Gelagen Efeukränze, weil sie angeblich den Kopf beim Trinken kühlten. Auch für den Lichtgott Apoll war Efeu eine heilige Pflanze und göttliche Dichter bekränzte man mit Efeu. Brautleute erhielten einen Efeuzweig als Symbol für ewige Treue. Der Römer Plinius der Ältere wusste aber bereits, dass Efeu den Bäumen und dem Mauerwerk schadet.

Das Christentum übernahm den Efeu für seine Symbolik und schrieb ihm Eigenschaften wie ewiges Leben, Auferstehung und Treue zu. Daher pflanzte man ihn häufig auf Grabstätten.

Efeu ist die einzige Wurzelkletterpflanze Europas. Mit seinen Haftwurzeln klettert er an Bäumen, Felsen oder Mauern bis 20 m hoch. Er entzieht zwar den Bäumen keine Nährstoffe, „erwürgt“ aber mit seinen verholzenden Trieben seinen stützenden Stamm.

Fehlt dem Efeu die Stütze, so kriecht er am Boden dahin und verbreitet sich zu einem dichten Geflecht. Seine Blätter sind dabei drei bis fünfzipfelig gelappt. Erreicht er eine geeignete Senkrechte, klettert er empor und bildet dann ungelappte eiförmige Blätter aus.

Die Blüten sind gelbliche, unscheinbare, fünfzipfelige traubig angeordnete Dolden, die, weil sie im Herbst blühen, eine Attraktion für Bienen und andere nektarliebende Insekten sind. Gerade weil andere Laubbäume um diese Jahreszeit schon kahl sind, fallen die unscheinbaren Blüten auf.

Die Früchte sind erbsengroße, kugelige mehrsamige Beeren, die zu Winterende schwarzblau werden und für Gartenrot­schwänze, Amseln, Drosseln, Mönchsgrasmücken und Stare eine hochwillkommene Nahrung sind.

Für Menschen, Pferde, Hunde und Katzen ist Efeu jedoch giftig. Das Fruchtfleisch der Beeren enthält Hederin. In der Medizin und Homöopathie wird es gegen Bronchialasthma, Keuchhusten, Gallenleiden und gegen Krämpfe eingesetzt. Es soll auch empfängnisverhütend und abtreibend wirken. Daher sollen sich „Alle frommen Frauen hüten, von diesem Safte gekochte oder gebrannte Wasser zu sich zu nehmen.“ (Otto Brunfels in seinem Contrayt Kreuterbuch 1532)

Das Holz des Efeus ist porös und früher wurden Becher aus Efeuholz zum Filtrieren von Wein verwendet.

Als Gartenpflanze wurde der Efeu erst zu Ende des 18. Jhdts. entdeckt, als Landschaftsparks in Mode kamen. Heute existieren im Gartenbau bereits 400 Sorten mit einer großen Bandbreite von Blattformen und Farben.