» Buchengewächse

Edelkastanie , Maronenbaum

Castánea sativa Mill.
(griech. Castános Artname, lat. sativa = angebaute nicht wilde Kastanie)
Familie Fagáceae (Buchengewächse)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Edelkastanie umfasst Südost­europa und das Mittelmeergebiet. Allerdings wurde sie schon von den Römern bis ins Rheinland gebracht und kultiviert.

Auch in Süd- und Ostösterreich findet man sie in den Wäldern, angepflanzt auch in anderen klimatisch günstigen Gebieten. Bekannt ist der Edelkastanienwald in Nussdorf am Attersee O.Ö.

Der 15 bis 30 m hohe Maronenbaum ist mehrstämmig oder strauchartig, besitzt eine lange Zeit glattbleibende dunkelgraubraune Rinde, die erst bei alten Exemplaren netzförmig aufreißt.

Das Holz ist widerstandsfähig und dauerhaft, ähnlich dem Eichenholz und wird daher im Freien verwendet. In Weinbaugebieten dienen Kastanienpfähle als Rebstöcke. Die bis zu 20 cm langen elliptischen Blätter, die stachelspitzig gezähnt sind, erscheinen erst spät im Mai.

Es gibt männliche Blüten, die in aufrechten Spindeln in gelben Blütenknäueln erst Anfang Juni erblühen, die kleinen weiblichen Blüten sitzen meist an der Spitze der Zweige, nahe den männlichen Blüten in weichstacheligen Fruchtbechern. Die Früchte, die eiförmig, spitzen braunen Nüsse (Kastanien genannt) werden erst Ende Oktober reif: Sie sind in vierklappigen, stachelig bewehrten, grünen Fruchthüllen, die sich mit zunehmender Reife mehr und mehr öffnen und so den Blick auf die glänzende Kastanie freigeben.

Diese Kastanien dienen und dienten seit der Römerzeit als Volksnahrungsmittel, sie wurden dem Mehl beigemengt und sind auch heue noch vor allem geröstet als Maronen sehr beliebt. So passen sie sehr gut zu Rotwein und werden traditionell in Südtirol beim Törggelen gereicht.

Beliebt ist auch der sogenannte Kastanienreis. Gekochte und fein geriebene Kastanien werden mit gesponnenem Zucker, etwas Rum, einigen geriebenen Nüssen zu einem festen Teig verknetet und kühl gestellt. Nach dem Festwerden der Masse drückt man sie durch ein grobes Reibeisen, wodurch reisartige Körner entstehen, die man dann mit Schlagobers und auf Vanilleeis serviert.


Rot-Buche, Buche

Fágus sylvática L. (lat. sylvática = im Walde wachsend)
Familie Fagáceae (Buchengewächse)

Die Buche ist im Berg- und Hügelland Europas weit verbreitet. Sie ist der häufigste Laubholzbaum und gilt als „Mutter des Waldes“. Im alten Griechenland war die Buche wenig verbreitet, doch Theophrastos kannte sie unter dem Namen oxўa, die Römer nannten sie fágus und zählten sie zu den „glücklichen“ Bäumen, weil aus ihrem Holz Opfergeschirr hergestellt werden durfte. Das Wort „Buch“ kommt von der Buche, weil man die Bücher zwischen Deckel aus Buchenholz band.

Die Buche kann bis zu 50 m hoch werden. Ihre schief aufsteigenden Äste bilden eine mächtige Krone, der rundliche Stamm hat eine hellgraue glatte Rinde. Die glänzenden dunkelgrünen Blätter verfärben sich im Herbst umbrafarben. Die Buchengallmücke bevorzugt die Buchenblätter für ihre Kinderstube, sodass man die Blätter häufig mit Gallen bedeckt vorfindet.

Eine Form der Rotbuche mit dunkelroten Blättern wird als Blutbuche gerne in Parks und Gärten gepflanzt. Die Rotbuche ist einhäusig. Ihre männlichen Blüten erscheinen im Mai und hängen wie kugelige gelbliche Quastchen an den dünnen Zweigen.

Die weiblichen Blüten werden von stacheligen Fruchtbechern umhüllt, in deren Klappen dann die Bucheckern reifen.

Die scharfkantigen dreieckigen Nüsschen findet man im Herbst in großer Zahl unter den Buchen. In Notzeiten wurden sie als Nussersatz gesammelt und verbacken. Auch Speiseöl kann man aus ihnen pressen.

Roh sollte man allerdings keine größere Zahl von Bucheckern essen, da sie schwach giftig sind. Beliebt sind die Nüsschen bei Schweinen, Eichhörnchen und Eichelhähern. Da die Eichhörnchen und Eichelhäher für den Winter Vorräte anlegen und manche dieser Depots „vergessen“, tragen sie so zur Verbreitung der Buche bei.

Gibt es im Herbst viele Bucheckern, kündigt das nach dem Bauernkalender einen strengen Winter an.

Das rötliche zart gesprenkelte Holz der Buche diente lange Zeit nur als Brennholz (Buchenscheiter), bis durch verbesserte Holzbearbeitungsmethoden Buche als Möbelholz immer beliebter wurde. Buchenholz wird auch zu hochwertigen Parkettböden verarbeitet. Für die Papierherstellung wird wegen seiner Langfasrigkeit und geringem Harzanteil fast ausschließlich Buchenholz verwendet.

Zur Gewinnung von Pottasche für die Glasschmelze und Kohle zur Eisenverhüttung wurde früher fast ausschließlich Buchenholz verwendet, was örtlich oft zu Kahlschlägen von Buchenbeständen führte.


Rot-Eiche

Quércus rubra oder Quércus boreális
(lat. rubra = rot, boreális = nördlich)
Familie Fagáceae (Buchengewächse)

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Industriestandorten wie z.B. im Ruhrgebiet sich die Luftqualität derartig verschlechterte, dass der Wald geschädigt wurde, waren vor allem heimische Eichen davon betroffen. 1911 setzte im Ruhrgebiet und Münsterland ein langanhaltendes Eichensterben ein. Dazu kamen noch Fraßschäden durch den Frostspanner und Eichenwickler an den geschwächten Beständen.

Da entdeckte man, dass Roteichen, die eigentlich aus Amerika stammen und seit 1885 in Laubmischwäldern gesetzt wurden, die Luftschadstoffe besser vertrugen und gegen den Frostspanner und Eichenwickler unempfindlich zu sein schienen. So begann man in den Wäldern der schadstoffreichen Industriegebiete die heimischen Eichen durch Roteichen zu ersetzen, mit dem besten Erfolg. Das Holz der Roteichen kann ähnlich wie das Holz der Stiel- oder Traubeneichen verwendet werden, ist jedoch nicht von gleich hoher Qualität.

Die Roteiche vermag es, mit ihrem Wurzelsystem verhärtete Böden wieder aufzuschließen und so für die Verbesserung des Bodens zu sorgen. Weil sie sich im Wald gut mit anderen Laubholzbäumen verträgt, wurde sie in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg vermehrt angesetzt.

Ihr schöngefärbtes rötliches Laub ist eine Zierde für den Laubwald. Besonders die Herbstfärbung der Blätter, die verhältnismäßig lange am Baum bleiben, ist sehr attraktiv.


Stiel-Eiche, Sommer-Eiche

Quércus róbur
(Quércus = lat. Gattungsname, róbur = Kraft, Stärke)

Trauben-Eiche, Winter-Eiche

Quércus petraea
(von griech. Petra = Fels, auf steinigem Boden wachsend)
Familie Fagáceae (Buchengewächse)

Die Eichen sind im gemäßigten Europa bis zum Ural in den Ebenen und im Hügelland verbreitet. Sie sind ein wesentliches Element des Laubmischwaldes und können bis 50 m hoch und sehr alt werden. Angeblich gibt es 1000 Jahre alte Eichen. Ihr Holz ist sehr widerstandsfähig und wertvoll. Es dient als Furnierholz für Möbel, dauerhafte Parkettböden, für Eisenbahnschwellen und als Holz für Schiffs- und Wasserbauten. Das Vorhandensein von genügend Eichenholz für den Schiffsbau war früher kriegsentscheidend.

Die Eichen haben in allen Teilen einen hohen Gerbstoffgehalt. Daraus ergibt sich, dass man aus Eichenrinde die beste Gerberlohe herstellen kann, dass Eichenholz schwer verrottbar ist, sodass sich in manchen Fällen Eichenstämme aus der Antike erhalten haben, nach denen Archäologen einen „Atlas“ der Klimata und Jahre erstellen können. Auch das Eichenlaub ist schwer verrottbar, und man sollte es nicht auf den Komposthaufen werfen, wenn man Erde erhalten will.

Die Früchte der Eichen, die Eicheln, sind infolge ihres Gerbstoffgehaltes bitter und für den menschlichen Genuss nicht geeignet, wenn man sie auch in Notzeiten als Kaffeeersatz verwendet hat. Die Schweine jedoch lieben diese Früchte, denn sie enthalten viel Stärke. Im Mittelalter berechnete man den Wert eines Waldes mit der Anzahl der Schweine, die darin gemästet werden konnten.

Bei der Verbreitung ihrer Früchte „rechnet“ die Eiche sogar mit der Schweinepopulation im Wald. Beim Wühlen mit ihren Rüsseln bereiten die Schweine den Boden auf und „verlieren“ ab und zu Eicheln, die so die besten Bedingungen zum Keimen vorfinden. In einzelnstehende Eichen soll bevorzugt der Blitz einschlagen. „Eichen sollst du weichen!“ Vielleicht war das auch ein Grund, warum bei den alten Germanen die Eichen dem Wettergott Donar geweiht waren, oder manchmal auch dem obersten Gott Wotan.

Die Blätter der Eiche haben eine typische gebuchtete Form. Die Gallenwespe bevorzugt sie als Kinderstube. Aus den Eichengallen, die dann entstehen, bereitete man früher Tinte. Die Eichen sind einhäusig und getrennt geschlechtlich. Die männlichen Blüten hängen als längliche Kätzchen an den vorjährigen Trieben, die weiblichen Blüten sind rötlichgrüne rundliche Köpfchen in einem stacheligen Becher sitzend, aus dem dann der holzige Becher der Eicheln heranwächst. Stiel- und Trauben-Eichen sind im Aussehen sehr ähnlich. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal sind die Früchte (Merkspruch: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!). Bei der Trauben-Eiche sind die Früchte fast ungestielt, bei der Stiel-Eiche hängen sie an bis zu 4 cm langen Stielen. Leider sind die Eichen sehr empfindlich gegen schädliche Umwelteinflüsse, wie Industrieabgase etc. Sie werden dann anfällig gegen Schädlinge wie Eichenwickler oder Eichenmehltau, eine Pilzerkrankung.