» Birkengewächse

Moor-Birke

Bétula pubéscens (lat. Bétula = Artname, pubéscens = flaumhaarig)

Hänge-Birke

Bétula pendula (lat. péndula = hängend)
Familie Betulàceae (Birkengewächse)

Die verschiedenen Arten der Birken sind auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel verbreitet. Tatsächlich passen sie gut zu Schnee, zu blauer Luft und zu Wind, der ihre zarten Blätter an den biegsamen Ruten flirren lässt.

Der Name Birke althochdeutsch biricha kommt von dem indogermanischen Wort bher(e)g, was glänzend weiß bedeutet. Tatsächlich ist der weiße Stamm der Birke ihr Markenzeichen. Er ist eine „Methode“ des Baumes sich vor Frostschäden zu schützen. Scheint die Sonne in den Kältegebieten des Nordens auf einen dunklen Stamm, so erwärmt er sich einseitig und es kommt zu Frostrissen im Holz. Weiß reflektiert die Sonnenstrahlen und gewährt Schutz vor Erwärmung. Die weiße Farbe der Rinde wird von in abgestorbenen Zellen fein verteilten Luftbläschen hervorgerufen, in denen sich das Licht bricht. Dasselbe Phänomen kann bei Seifen- oder Bierschaum beobachtet werden, der ja auch weiß erscheint.

Birken gehören zu den sogenannten Pioniergehölzen. Sie können auf Neuland wie Schottergruben, Erdaufschlüssen etc. siedeln und bereiten den Boden für andere Baumarten vor. Dabei hilft ihnen ihr rasches Höhenwachstum. Geraten sie jedoch später unter ein dichtes Blätterdach, weil andere Bäume nachgerückt sind, verkümmern sie.

Bei der Fortpflanzung verlassen sich die Birken auf den Wind. Die männlichen Blüten hängen als wurstförmige Kätzchen an den Spitzen der biegsamen Ruten vor dem Blattaustrieb und können vom Wind tüchtig ausgeschüttelt werden. Die weiblichen Blüten sitzen an kurzen Seitenzweigen. Bei der Reife im Juli oder August zerfallen sie und entlassen einsamige geflügelte Nüsschen, die wiederum vom Wind weitertransportiert werden. Wenn sie nichts behindert, erweitern Birken ihr Vorkommen in hundert Jahren um einen Radius von 30 Kilometern. Birken waren der wichtigste Brennstofflieferant für die Menschen in Eurasien, die nördlich des 55. Breitengrades siedelten. Das zähe Holz der Birken wird für Möbel und Furniere genützt, die biegsamen Reiser finden Anwendung in der Sauna oder als Besen, Teer aus den Wurzeln wird zu Juchtenöl verarbeitet, das dem Juchtenleder Wasserfestigkeit verleiht, angezapfte Stämme liefern das Birkenwasser, das ein wirksames Haarwasser ist und auch zur Weinbereitung verwendet wurde.

Birkenrinde diente den nordischen Nomaden als Zeltplane, als Schuhe und sogar als Schreib­papier.


Schwarz-Erle

Álnus glutinósa L.
(lat. álnus = Gattungsname, lat. glutinósa = klebrig)
(Knospen und junge Zweige sind klebig und wurden früher zum  Mückenfangen aufgehängt)
Familie Betuláceae (Birkengewächse)

Die Schwarzerle ist in ganz Europa und Asien beheimatet. Sie bevorzugt Flussauen, Bachläufe und Brüche mit nährstoffreichem Grundwasser. Mit ihrem tiefreichenden Herzwurzelsystem kann sie auch schwere Tonböden erschließen und dringt damit bis in Grundwasserbereiche vor. Sie bildet Wurzelknöllchen aus und beherbergt hier Bakterien (Frankia alni), die den Luftstickstoff binden können. Diese Eigenschaften machen die Erle zum Pionierbaum und für den Hochwasserschutz geeignet. Weil sie durch Flussbegradigungen und in den letzten Jahren durch einen schädlichen pilzähnlichen Organismus gefährdet ist, wurde sie 2003 zum Baum des Jahres erklärt.

Die Erle ist ein bis zu 30 m hoher Baum mit schlankem, fast bis zum Gipfel durchreichenden Schaft und waagrecht abstehenden Ästen, so dass ihr Umriss dem eines Nadelbaums ähnelt. Ihre Rinde ist dunkel, rissig und hat einen hohen Gerbstoffgehalt. Sie wurde wie Eichenrinde als Gerberlohe verwendet. Die bis zu 9 cm langen Blätter sind verkehrt eiförmig, manchmal mit gekerbter Blattspitze und sitzen an kurzen Stielen. Die Unterseite der Blätter ist blaugrün und nur in den Nervenwinkeln rostgelb behaart. Im Herbst verfärben sich die Blätter nicht, sondern fallen grün zu Boden, was ein Zeichen dafür ist, dass die Erle nicht darauf angewiesen ist, sich die Nährstoffe aus den Blättern zurückzuholen. Die Erle ist ein einhäusiger Baum. Vor Laubausbruch im März erblühen die männlichen braunen Kätzchen, die ähnlich wie beim Haselnussstrauch an der Spitze der Zweige hängen und deren Pollen der Wind verträgt. Die weiblichen Kätzchen sitzen mit kurzen Stielchen an den Zweigen und sind rötlich. Männliche und weibliche Blüten sind im Herbst als Knospen schon angelegt.

Die Früchte verholzen zu kleinen schwarzen Zapfen, eine Seltenheit bei einem Laubbaum. Diese hübschen Zapfen werden für Trockengestecke verwendet. Früher bereitete man aus ihnen Tinte. Die winzigen plattgedrückten Nüsschen, die bei der Reife aus dem Zapfen herausfallen, haben eine Art Schwimmkörper und werden vom Wasser über weite Strecken befördert. Das Holz der Erle ist orange bis hellrot und wird wegen seiner schönen Farbe als Furnierholz und für Schnitz- und Drechslerarbeiten verwendet. Es ist gegen Wasser unglaublich resistent und wird daher seit jeher für Wasserbauten verwendet. Venedig steht teilweise auf Erlenpfählen.

Goethe hat mit seiner Ballade „Der Erlkönig“ den Erlen ein Denkmal gesetzt. Dabei hat die Gestalt des Erlkönigs gar nichts mit Erlen zu tun. Herder hat den ellerkonge aus dem Dänischen irrtümlich mit Erlkönig statt mit Elfenkönig übersetzt. In der germanischen Mythologie steht die Erle für die erste Frau, die Esche für den ersten Mann.