» Liebe auf den ersten Blick

In unserer Familie gab es immer Haustiere. Mit Meerschweinchen, Katze und Hund teilten wir uns Haus und Garten. Jahrzehntelang mussten wir auf die Bedürfnisse unserer Tiere Rücksicht nehmen, im Urlaub Ersatzdosenöffner organisieren und Hundepensionen suchen. Ganz heimlich freute ich mich auf den Tag, an dem ich ganz frei und ohne Verpflichtungen meine Zeit gestalten konnte. Dieser Tag kam im Januar 2012 als ich meine über alles geliebte 19jährige Katze einschläfern lassen musste. Zum ersten Mal war ich ganz frei! Kein Gassi gehen, keine Haare auf dem Teppich, keine Schmutzpfoten auf den frisch aufgewaschenen Fliesen. Ich könnte nun shoppen gehen, ist aber auf die Dauer fad. Ich könnte mich nun mit Freundinnen treffen, sie sind aber alle noch in der Arbeit und ich bin schon zuhause. Ich könnte endlich in Haus und Garten werkeln, wann immer ich Lust hätte, ich hatte aber keine Lust.

Ich wollte irgendetwas Sinnvolles tun. Seit einigen Monaten helfe ich einmal wöchentlich im Katzenhaus des Tierheims Gleink. Im März bat ich eine Tierheimmitarbeiterin mir die Hunde zu zeigen. In jeder Koje sitzen liebe Hunde, die auf einen guten Platz warten. Bei der vorletzten Box angekommen blieb ich wie verzaubert stehen: Eine braun-weiße Pitbullhündin sah mich mit ihren bernsteinfarbenen Augen ernst an. Kein Herumhüpfen, kein Schwanzwedeln, nur ein Blick und es war um mich geschehen. Mein Mann und ich entschlossen uns diesen wunderschönen Hund zu nehmen. Als wir erfuhren das Velvet schon 11 Jahre alt ist und davon seit 9! Jahren im Tierheim sitzt, hatten wir Tränen in den Augen. Die Tierpflegerinnen rieten uns die Übernahme langsam zu gestalten, erstmal spazieren gehen, dann Haus und den Garten kennen lernen, dann den Hund einmal eine Nacht bei uns schlafen lassen und so weiter. Doch es sollte anders kommen. Als wir Velvet unseren Garten zeigten, legte sie sich auf ihre Decke neben uns und schlief ein! Wir sahen uns an und wussten, wir bringen Velvet nicht mehr ins Tierheim zurück. Mit vielen guten Ratschlägen versorgt, schlief ich in der ersten Nacht bei ihr, das heißt Velvet schlief, ich war wach. Nach der dritten Nacht blieb sie schon alleine in ihrem Körbchen. Sie ist ein wahrer Schatz und Sonnenschein, sie ist unglaublich schlau und brav. Sie will gefallen und lernt schnell. Wie ein kleiner Kampfpanzer drängt sie sich oft zwischen uns, um zu schmusen. Sie ist aber auch aufmerksam und bewacht „ihr“ Haus und „ihren“ Garten. Wir können uns unser Leben ohne Velvet gar nicht mehr vorstellen. Nicht Velvet hatte Glück, dass wir sie genommen haben, es ist unser Glück, dass wir sie bekommen haben. Ach ja, eine kleine Macke hat sie, Velvet mag keine anderen Hunde, but nobody is perfect!

Und meine große Freiheit? Die habe ich, wenn ich mit Velvet schon am Morgen durch Gleink spaziere, die Sonne, Regen und Wind spüre und glücklich bin!

 

Irene und Harald Ramser