» Kaninchen

Kaninchen stammen vom Europäischen Wildkaninchen ab, durch Zucht gibt es sie in verschiedensten Rassen und Fellfärbungen. Kaninchen leben sehr gesellig in der Gruppe, sie sind Fluchttiere und können ein Alter von bis zu 10 Jahren erreichen. Fälschlicher Weise werden Kaninchen umgangssprachlich oft als Hasen bezeichnet. Jedoch sind sie mit diesen nicht verwandt und unterscheiden sich von Feldhasen in folgenden Punkten: Kaninchen sind gesellige in Kolonien lebende Grabetiere und Höhlenbewohner, deren Junge nackt, blind und taub geboren werden (Nesthocker). Dagegen sind Feldhasen höchstens paarweise lebende Lauftiere, die keine Höhlen graben und deren Junge behaart, sehend und hörend geboren werden (Nestflüchter). Der Feldhase wurde nie domestiziert, somit gibt es von ihm auch keine Haustierform.
 

Grundbedürfnisse des Kaninchens

  • aktiv sein
  • nagen
  • graben
  • gesellig sein
  • verstecken

Haltung

Kaninchen sind soziale Tiere, von daher immer mindestens zwei Tiere halten.

Folgende Gruppenzusammensetzungen sind zu empfehlen:
 

  • Bei Paarhaltung ein kastriertes Männchen und ein Weibchen, oder zwei einander bekannte kastrierte Männchen bzw. zwei einander bekannte Weichen (Wurfgeschwister).
  • Bei Gruppenhaltung ein kastriertes Männchen und bis zu drei Weibchen, oder zwei Kastrierte Männchen und zwei bis vier Weibchen.
  • Kaninchen und Meerschweinchen zusammen zu halten, ist keine Alternative, da beide ganz verschieden kommunizieren und sozusagen zu zweit vereinsamen würden.

Kaninchen und Meerschweinchen gemeinsam zu halten, ist lt. Bundestierschutzgesetz verboten!

Die sehr aktiven Kaninchen brauchen möglichst viel Platz zum Bewegen. Werden sie in den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestkäfiggrößen gehalten, so muss unbedingt für reichlich Freilauf gesorgt werden, da ansonsten ihre Gesundheit bald Schaden nimmt. Als Einstreu nimmt man Stroh oder staubfreie Sägespäne. Katzenstreu darf auf keinen Fall verwendet werden. Der Käfig muss frei von Zugluft aufgestellt werden.

Die Mindestkäfiggröße pro Tier beträgt mindestens 120 x 60 x 50 cm (LxBxH), für jedes weitere Kaninchen muss 20 % mehr Grundfläche gerechnet werden. Somit ergibt sich für zwei Kaninchen eine Mindestgrundfläche von 8640 cm².

Direkte Sonneneinstrahlung und Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Natürlich ist der Käfig immer sauber zu halten, Kot und Futterreste werden täglich entfernt.

Kaninchen sind Grabetiere. Um ihnen auch bei Innenhaltung die Möglichkeit zum Ausleben ihres Grabeverhaltens zu geben, kann den Tieren im Rahmen des täglich kontrollierten Auslaufes eine entsprechend große Wanne (z.B. Katzenkisterl mit Chinchillasand) zur Verfügung gestellt werden.

Hält man die Kaninchen im Freien, so rechnet man für zwei Tiere eine Mindestbedarfsfläche von 6 m². Kaninchen sind unbedingt vor Sonne und anderen Witterungseinflüssen zu schützen und es müssen isolierte Schlafhütten bereit gestellt werden in denen alle Tiere gemeinsam Platz finden. Es ist zu berücksichtigen, dass sich die Tiere durchgraben können. Ebenso sichert man das Gehege vor Wildtieren. Besonders im Sommer kontrolliert man das Fell und die Körperöffnungen des Kaninchens auf Befall von Fliegenmaden oder andere Parasiten.


Nahrung

Kaninchen sind Pflanzenfresser und von daher auf die Verwertung von Rohfaser spezialisiert. Sie nehmen ihre Nahrung den ganzen Tag über auf. Qualitativ hochwertiges Heu und Kräuter, welches täglich frisch und in reichlicher Menge angeboten wird, bilden die Grundlage der Ernährung. Zusätzlich gibt man eine Körnermischung, Grünfutter, Wiesenkräuter, Karotten und Äpfel. Zur Anregung der Darmflora sollte den Tieren jeden Morgen ausschließlich Heu angeboten werden. Erst dann ist der Verdauungstrakt für die Aufnahme von Grünfutter vorbereitet. Plötzliche Futterumstellungen sind zu vermeiden, da die Darmflora Zeit zur Anpassung braucht. Trinkwasser muss immer frisch und in ausreichender Menge vorhanden sein.

Gesundheit

Kaninchen sind gesund, wenn sie sich aktiv und neugierig verhalten. Nase, Augen, Ohren und Fell müssen täglich auf Veränderungen kontrolliert werden. Da die Zähne der Tiere ständig nachwachsen, brauchen Kaninchen zur Zahnabnützung unbedingt Material zum Nagen. Hierfür eignen sich Zweige von Obstbäumen und Haselnuss. Eine regelmäßige tierärztliche Kontrolle von Zähnen und Krallen ist ratsam.

Die Magenmuskulatur der Kaninchen ist nur sehr gering ausgebildet, sie sind auf permanente Nahrungszufuhr angewiesen (Stopfmagen). Deshalb nehmen Kaninchen Futter in vielen kleinen Portionen über den ganzen Tag verteilt zu sich. Nur so kann die Nahrung erfolgreich weitertransportiert werden. Die mangelhafte Magenbemuskelung ist auch Ursache dafür, dass Gärgase nicht entweichen können, weshalb die Tiere leicht zu Blähungen neigen. Weiters besitzen sie einen großen Blinddarm, in dem der Großteil der Zelluloseverdauung unter Mitwirkung einer speziellen Darmflora stattfindet. Störungen dieser Darmflora etwa durch falsche Fütterung können ebenso gefährliche Blähungen verursachen.


Wichtig!

Welkes oder warmes Gras, Kohlgemüse und zuckerhaltige Nahrungsmittel verursachen beim Kaninchen schlimme Verdauungsstörungen mit oft tödlichem Ausgang. Als Kaninchenhalter sollte man auch wissen, welche Pflanzen als giftig gelten und wie diese aussehen.


Vermehrung

Kaninchen vermehren sich in der Natur sehr schnell. Sie sind mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif, daher muss bei der Heimhaltung rechtzeitig Vorsorge getroffen werden. Wohl am besten ist es, die männlichen Tiere werden schon vor Geschlechtsreife kastriert, so kann man nachhaltig unerwünschten Nachwuchs vermeiden.


Besondere Überlegungen zur Anschaffung

  • Kaninchen sind Gruppentiere, von daher immer mindestens paarweise halten.
  • Kaninchen und Meerschweinchen zusammen zu halten ist keine Alternative.
  • Kaninchen sind Pflanzenfresser. Heu mit Kräutern ist die Hauptnahrung von Kaninchen, deshalb abklären ob jemand in der Familie an Heuallergie leidet.
  • Kaninchen vermehren sich sehr rasch, daher rechtzeitig Vorsorge treffen.
  • Kaninchen sind Bewegungstiere, sie brauchen täglich mindestens 1 Stunde Freilauf.
  • Kleinkinder nie unbeaufsichtigt mit Kaninchen spielen lassen. In Panik geraten, können sich die Tiere leicht verletzen.
  • Kaninchen sind Fluchttiere, für ausreichend Versteckmöglichkeiten sorgen.

Kaninchen können, wenn man geduldig mit ihnen ist, sehr zahm und anhänglich werden. Hingegen auf zwanghaftes Festhalten reagieren sie sofort mit Flucht und Ablehnung.