» Wir haben es geschafft!12. September 2012

Im Februar dieses Jahres wurden 39 Hunde aus extrem schlechter Haltung vom Grundstück des Hr. Johann B. aus Schleißheim bei Wels abgenommen. Da einige der Hündinnen trächtig waren, vermehrten sich die Tiere im Nu auf 55. Die armen Geschöpfe hatten oft tagelang nichts zu fressen und zu trinken und entkamen nur mit knapper Not dem Erfrierungstod. Viele der Hunde waren verwurmt und schwer krank, hatten Knochenfrakturen, Kieferbrüche und Augenhämatome. Mit unzähligen Operationen und durch die liebevolle Behandlung unserer Tierpflegerinnen und Tierärztinnen konnten die meisten Tiere gerettet und in der Zwischenzeit an gute Plätze vergeben werden.
Als wir im Februar das Gelände in Schleißheim betraten um die Hunde zu evakuieren, sahen wir das verheerende Ausmaß. 5 Servale (afrikanische Wildkatzen) und 3 Karakals (Wüstenluchse) fristeten hier ihr Dasein in verrosteten und viel zu kleinen, unbeheizten Gehegen. Verweste Hühner, die seit Jahren angehäuften Exkremente und sonstiger Unrat verursachten nicht nur unerträglichen Gestank, sondern stellten eine lebensbedrohliche Situation für alle dar.
Durch unsere Recherchen haben wir in Erfahrung gebracht, dass Hr. B. seit Jahrzehnten weltweit geschützte Tiere wie Servale, Luchse, Pumas, Gorillas und vieles mehr importierte, ohne jemals von den Behörden gestoppt worden zu sein. Die Tiere wurden in Schleißheim zu Hunderten vermehrt und international verkauft. Sie mussten unter schlimmsten Umständen ihr Dasein fristen.
Sogar angsterfüllte Nachbaren, die direkt an das Grundstück angrenzten, hatten keine Chance gegen die Behörden. Gelegentlich kamen Wildkatzen aus den Gehegen aus und irrten hungrig im Wohnbaugebiet von Schleißheim umher. Die Wildkatzen haben in ihrer Verzweiflung Pfaue und Katzen der Nachbarn gerissen. Die Behörden fanden es über Jahrzehnte nicht der Mühe wert, hier nach dem Rechten zu sehen.
Der Kampf gegen die Behörden begann und wir verbrachten viele Stunden auf Ämtern und Behörden. Das Ergebnis war ernüchternd und unbefriedigend. Nicht zuletzt mit Hilfe eines Buches, welches die Adoptiv-Tochter von Hr. B. verfasst hat, kam die schreckliche Wahrheit ans Tageslicht und half uns bei der Aufklärung dieser Tragödie. Das überaus beeindruckende Buch schildert das Leben der Adoptiv-Tochter, die auf dem Gelände in Schleißheim bis zu ihrem 15. Geburtstag ihr Leben verbracht hat. Der Reinerlös dieses Buches dient einem Waisen-Projekt in Thailand und kann in jedem Buchgeschäft gekauft werden.
Titel: Die andere Welt – Thailand: Es ist nicht alles Gold was glänzt; Autorin: Hathaichanok Amphan; ISDN 3-936904-15-4
 
 
Am Freitag den 7.9.2012, also nach 7 Monaten, war es dann endlich soweit!
Wir bekamen abermals die Information, dass ein Serval ausgerissen sei. Die Bewohner flüchteten sich in ihre Häuser. Die Gemeinde beauftragte einen Jäger, die verängstigte Wildkatze zu erlegen obwohl wir bereits auf dem Wege waren. Wir kamen leider 5 Minuten zu spät – die Wildkatze lag bei unserer Ankunft bereits tot am Boden.
Wir durchforsteten die Gehege und fanden noch 5 lebende Wildkatzen, die uns Hr. Johann B. letzten Endes freiwillig und schriftlich übergab.
Die Tierrettung, Hr. Eberstaller und Fr. Fischlmayr des oö Landestierschutzvereins waren bereits vor Ort. Hr. Laher vom Wildpark Altenfelden war uns auch eine sehr große Hilfe. Er kam ausgerüstet mit Fangschlingen, Netzen und Holzboxen um uns bei der Bergung der Wildkatzen fachmännisch zu unterstützen. Ohne sein professionelles Zutun, sein Equipment und seinen Einsatz wären wir nicht in der Lage gewesen, die Tiere zu retten. Auch die Tierrettung unterstützte uns mit vollem Einsatz. Beim Evakuieren der Wildkatzen entdeckten wir auch eine hochträchtige Servalin, die seit Tagen tot im Gehege lag. Es wurden zu guter Letzt 5 Tiere geborgen (2 Servale, 2 Rotluchse und 1 Rohrkatze).
Hr. Laher konnte die Tiere ordnungsgemäß übernehmen und in den Wildpark Altenfelden bringen, wo sie ab sofort in ihrer neuen Heimat besucht werden können.
Wildpark Altenfelden
Atzesberg 8, 4121 Altenfelden, Telefon: 0664 / 576 98 51; www.wildpark-altenfelden.at
 
Ein herzliches Dankeschön ALLEN Beteiligten, die uns tatkräftig bei sämtlichen seit Februar stattgefunden Befreiungs-Aktionen unterstützt haben!
 
Raimund Eberstaller, Geschäftsführer               
Elisa Fischlmayr, stv. Geschäftsführerin
Diese hochträchtige Servalin ist schon vor längerer Zeit verendet
Die verängstigten Tiere wurden eingefangen Zwei der geretteten Großkatzen